ARTE
Samstag, 4. Februar 2012 um 21.40 Uhr
Die Seventies: Style Clash (1/2)
(Deutschland, 2008, 53mn)
ZDF
Regie: Dirk Laabs
Stereo 16:9 (Breitbildformat)
"Style Clash" springt zurück in die 70er, als sich die Jugendkulturen
noch aufs Schärfste bekämpften. "Style Clash" öffnet die ideologischen
Schützengräben zwischen Rocker-Kutte (Rock), Föhn-Frisur (Disco),
Jesus-Latschen (Prog-Rock) und Sicherheitsnadel (Punk).
Die erste Folge reist zu den Ursprüngen von Disco nach New York und
stellt die konträren Lebenswelten der Stile "Disco" und "Rock" vor. Ende
der 70er kommt es zum Clash: 1979 initiieren zwei Radio-DJs die "Disco
Demolition Night", es kommt zu Ausschreitungen ...
"Rock fucks - Disco sucks": So enden die 70er. Rock-Fans attackieren
leidenschaftlich den Disco-Sound. Er wird von ihnen als Plastik-Soul und
Fließband-Musik abgestempelt. Doch ist es wirklich der Musik-Stil oder
eher die Lebenseinstellung, welche mit der glitzernden Tanzmusik
verbunden wird, die dem harten Rockliebhaber auf die Nerven geht?
Disco gibt sich ungeniert als vordergründiges Entertainment, während
Rockfans in ihrer Musik wahren Gehalt wittern. Gerade jene, die
ursprünglich durch Folk sozialisiert sind, sehen im Drehen der
Disco-Kugel die große Lüge, das Falsche, den reinen Kommerz, weil Disco
nie Tiefsinn für sich reklamierte. Disco ist kalkulierte Weltflucht,
Amüsement, Show und Glitter. Für den nach Authentizität strebenden
Rocker sind die Manierismen des Disco ein Feindbild.
In Lipgloss ertränkte und mit Föhnwellen "verunstaltete" Vögel sind
dessen Anhänger in den Augen der Rocker, solche, die in schicken Anzügen
oder hautengem Satin zu Discofox im Gleichmaß klatschend die Tanzfläche
bevölkern - für Headbanger und Luftgitarrenspieler ein Horrorszenario,
weibisch, verkünstelt, affektiert. Den echten Kerlen ist das suspekt.
Und so kommt zum Ende des Jahrzehnts, was kommen musste: Der Clash
zweier Musikstile. Am 12. Juli 1979 findet im Comiskey Park in Chicago
die "Disco Demolition Night" statt, initiiert von zwei Radio-DJs.
Geplant ist zwischen zwei Baseball-Spielen Disco-Platten zu verbrennen.
Doch während des Spiels fliegen schon Disco-Platten auf das Spielfeld.
Es kommt zu Ausschreitungen, Feuer werden gelegt, das zweite Spiel kann
nicht mehr angepfiffen werden. Chaos herrscht. Die
"Disco-Sucks"-Kampagne ist eher eine weiße, machistische Reaktion gegen
"Gay Liberation" und "Black Pride" und richtet sich nur bedingt gegen
die Musik.
Denn vor allem zu Beginn der Disco-Ära am Anfang der 70er Jahre findet
Disco beim afroamerikanischen, puertoricanischen und homosexuellen
Publikum in US-amerikanischen Großstädten Zuspruch. Die politische und
soziale Situation dieser Subkulturen führt zu deren Eskapismus, eine
Flucht in die Disco-Musik: "Wenn Du schon über nix verfügst als über
deinen Körper, präsentiere, inszeniere ihn auf der Tanzfläche! Hier bist
du wer, egal, wer du sonst bist." Disco gilt als Kompensation zum
tristen Alltag. Spätestens mit "Saturday Night Fever" (1977) geht der
subkulturelle Charakter von Disco verloren.
"Die Seventies - Style Clash" reist zu den Ursprüngen von Disco nach New
York und zeichnet die konträren Lebenswelten der Stile "Disco" und
"Rock" nach. Denn 1979, mit der "Disco Demolition Night", erlebten die
aufgestauten Ressentiments noch einmal ihren Höhepunkt, und das obwohl
Punk bereits ein paar Jahre die Musikwelt revolutionierte.
Es werden auch
Liveaufnahmen von den STONES von "Midnight Rambler" in einem ZDF-
Bericht über die Europa Tour 1973 und von 1975 gezeigt.
Dazu noch ein interessantes Interview zu "Zabadoo" der Urfassung von "MISS YOU" !
http://www.arte.tv/de/Programm/244,broad…,year=2012.html
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