Leuchtendes Revers und rote Nasen
Wie Rolling-Stones-Fans stundenlang für den perfekten Platz am Roten Teppich bibbern
BERLIN - Eigentlich wollte er die Nacht vor dem roten Teppich verbringen, damit er den Rolling Stones ganz nah sein kann.
Aber als Ulrich „Ulli“ Schröder am Mittwochabend sein Quartier vor dem Berlinale-Palast aufschlug, wurde er von den Sicherheitskräften wieder weggeschickt – da war einfach noch nichts los. Dennoch, ein Triumph bleibt dem 58-Jährigen: „Ich war der Erste!“ Um acht Uhr morgens stand Schröder, der sich selbst als „Hardcore-Fan“ der Stones bezeichnet, natürlich wieder auf der Matte, beziehungsweise am Teppich. Aus Lüchow bei Hamburg, wo er ein Rolling-Stones-Museum aufbaut, ist er extra angereist.
Zur Feier des Tages hat sich der ehemalige Sparkassenangestellte richtig in Schale geworfen. Wie einst Mick Jagger trägt er Anzug und einen Zylinder, an der Krempe steckt ein Büschel Federn. Die Jacke ist über und über mit Stones-Ansteckern übersäht. Der Clou: Im Innern verbirgt sich ein Schalter, mit dem er kleine Leuchtdioden am Zylinder und an den Nähten seiner Jacke anknipsen kann.
160 Stones-Konzerte hat er schon erlebt und als er bei einem Gig in Düsseldorf seine Lämpchen einschaltete, hätten „Ronnie“ und „Keith“ vor Lachen das Konzert unterbrochen, berichtet Schröder stolz. Und das vor 30000 Zuschauern. Er sei der erste Fan, der „Shine a Light“ umgesetzt hätte, habe Richards höchstpersönlich zu ihm gesagt. Überhaupt pflegt er einen recht regen Umgang mit den Rockveteranen: Er ist Ron Wood’s Galerist. Irgendwann schrieb er einfach an das Management des Gitarristen, dass er sich für Woods Bilder interessiert, und dann kam eines zum anderen – jetzt organisiert Schröder Ausstellungen mit Bildern des Rockers.
Von so viel Nähe zu den Stones träumen Andreas und Sigrid Rajiski nur. Das Paar ist aus Dortmund gekommen und hofft, Keith „und nur Keith“ mal aus der Nähe zu sehen. Andreas Rajiski meint es ernst: Wenn er es schafft, dass Richards ihm ein Autogramm auf das Handgelenk kritzelt, lässt er sich das eintätowieren. Alice Cooper hat er schon auf der rechten Schulter. Plötzlich Gekreische: Die Herren Stones fahren zur Pressekonferenz vor, leider außer Sichtweite der treuen Fans am roten Teppich – ihren Platz wollen sie natürlich nicht aufgeben. Für einen Moment herrscht Stille.
Doris Sartori bibbert. Mit der einen Hand krallt sie sich an die Absperrung, in der anderen hält sie weiße Rosen, die sie Mick Jagger, ihrem großen Schwarm, überreichen will. Nur für ihn ist die 51-Jährige aus Freiburg nach Berlin gefahren. „An Mick gefällt mir einfach alles. Er hat eine Wahnsinns-Ausstrahlung“, schwärmt sie und sieht dabei aus wie 20. Um 19 Uhr ist es dann endlich so weit: Für einen kleinen Augenblick spazieren die Idole ganz nah an ihren Fans vorbei. (Von Anne Meyer-Gatermann)
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