Etta James ist tot
R.I.P ETTA
Etta James: die Billie Holiday des Rhythm'n'Blues
Die Straße, das Heroin, der Blues: Etta
James kannte die düsteren Seiten des Lebens - verwandelte ihren Schmerz
aber in strahlende Rhythm'n'Blues-Songs, die auch im Mainstream-Radio
gespielt wurden. Jetzt verstarb sie im Alter von 73 Jahren in
Kalifornien.
Hamburg/Los Angeles - Ein behütetes Zuhause hatte sie nicht. Ihre
Mutter war bei ihrer Geburt minderjährig, den Vater lernte sie nie
kennen. Etta James wuchs bei ihren Großeltern und bei Pflegeeltern auf;
früh lernte sie, sich selbst durchzuschlagen. Schon im Alter von 13
Jahren sang sie an Straßenecken oder mit ihrer Band, dem Mädchen-Trio
The Creolettes, in kleinen Clubs. Dort entdeckte sie 1952 auch der (am
17. Januar verstorbene) große Westcoast-Bandleader Johnny Otis, der sie
unter ihre Fittiche nahm.
Bald war sie für ihren energievollen Gesang bekannt, mit der Ära des
Doo-Wop und des Rock'n'Roll lief sie zu großer Form auf. Ihren ersten
Hit hatte sie mit der frühen Rock'n'Roll-Single "Roll With Me Henry" -
für den sie 2008 schließlich mit einem Grammy geehrt wurde. Aufgrund
ihres rauen, aber geschmeidigen Timbres wurde James in der Branche als
"Billie Holiday des Rhythm'n'Blues" gefeiert.
Für das legendäre Blues-Label Chess veröffentlichte Etta James ab
Ende der fünfziger Jahre einige Hits, etwa "The Wedding", "Something's
Got a Hold On Me" (beide 1962) oder "Pushover" (1963). Doch obwohl sich
endlich der kommerzielle Erfolg einstellte, konnte sie nie ganz die
Dämonen der Vergangenheit abschütteln. Jahrelang war sie schwer
heroinsüchtig; in ihren düstersten Tagen stach sie die Nadel auf der
Suche nach einer Vene in ihre Stirn. Mit ihrem Ehemann Artis Mills wurde
sie 1969 wegen Heroinkonsums verhaftet, er wurde zu zehn Jahren Haft
verurteilt, sie zum Drogenentzug.
Durch die Disco-Phase in den siebziger Jahren konnte die
Blues-Sängerin nicht mehr an den Breitenerfolg ihrer frühen Tage
anknüpfen. Aber stets durfte sie sich der Bewunderung erfolgreicher
Kollegen sicher sein. Ende der siebziger Jahre wurde sie zum Beispiel
von den Rolling Stones zu ausgiebigen Touren eingeladen.
Die Bedeutung von Etta James für die schwarze Musik wurde vielfach
von ihren jüngeren Kollegen hervorgehoben. In dem Musikfilm "Cadillac
Records" aus dem Jahr 2008 wird sie von dem R&B-Superstar Beyoncé
Knowles verkörpert. Es geht darin um die frühen Jahre der Blues-Legende,
in der sie sich von der Straßen-Sängerin zu einer der ersten weiblichen
schwarzen Stimmen hocharbeitete, die auch im Mainstream-Radio Gehör
fanden. In einem Interview zur Bewerbung des Films sagte Beyoncé: "Sie
ist immer Etta geblieben. Sie hat sich nicht verbiegen lassen, von
niemandem. Wenn sie afro-amerikanischen Künstlerinnen wie mir nicht den
Weg bereitet hätte, hätten wir niemals die gleichen Möglichkeiten wie
jetzt."
Wie ihr Manager bekanntgab, verstarb die große Blues-Pionierin und
Schmerzkünstlerin Etta James am Freitag nach einer schweren
Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Riverside, Kalifornien. Sie
wurde 73 Jahre alt.