… etwas verspätet, aber das leidige Thema Zeit…
Ein Blick auf die Homepage von Axel Zwingenberger bestätigte es, nachdem ABC & D of
Boogie Woogie zuletzt in Mailand, Paris und Zürich gespielt haben, stand jetzt
noch kurzfristig eine deutsche
METROPOLE auf dem Tourplan. Es waren jedoch nicht etwa Berlin, Hamburch oder Munich, sondern
DESSAU!
Ob sich CharlieWatts vorher bei Google Maps schlau gemacht hat oder wie einst Keith mit einem „Where
I am?“ aus dem Bus stieg, ist nicht bekannt. Aber als Kunstkenner wird ihm das „Bauhaus“,
das in Dessau seine Wiege hatte, ein Begriff sein. Älteren Briten dürften auch
noch andere Produkte dieser Stadt, etwa die Ju 87 oder Ju 88, kennen. Aber das
ist ein anderes Kapitel…
Dieser Gig inder Marienkirche war vorläufig der letzte gemeinsame Auftritt der vier
ausgezeichneten Musiker. Den hatten die Fans den exzellenten Beziehungen der
Veranstalterin Bianka Mrosek–Zabel zu Axel Zwingenberger zu verdanken.
Einlass ist ab 20 Uhr und als wir eine Stunde zuvor eintreffen steht nur eine Handvoll
Leute vor der Kirchentür, eben die Hardcore–Fans. Einen kenne ich vom Ansehen,
von den Stones-Partys in Wehlen. Es ist der „Schattenmann“ vom Stones-Forum. Wir
kommen ins Gespräch und er wird später das Konzert neben mir erleben. Die Schlange vor der Tür wächst und während
ich noch sage, dass Uli Schröder wohl auch herkommen wird, taucht er im
Hintergrund, wie zur Bestätigung meiner Worte, auch schon auf. Dann ist es
endlich soweit, es geht rein. Die optisch ansprechenden Tickets, die sich
wohltuend von den Computertix abheben,
bin ich schon wieder los. Dafür habe ich jetzt ein Bändchen am Arm. Aber die
Beruhigung folgt auf Anfrage. Nach dem
Gig kann man sich die Eintrittskarte wieder geben lassen. Etwas umständlich,
ein Pausenstempel hätte es auch gemacht, aber es hat letztendlich alles
funktioniert!
Unser Weg führt an den Sitzplätzen vorbei direkt an die Bühne. Und wer steht da schon mit
einem Bier in der Hand? Uli Schröder! So was geht nur mit „Vitamin B“ und durch
den Künstlereingang…
Er verfolgte dann den Auftritt von ABC & D zu
meiner Linken. Die Sitzplätze in der Marienkirche sind komplett belegt und der
Stehplatzbereich davor, ist ebenfalls gut gefüllt als Axel als Solist das das
Konzert pünktlich um 21 Uhr beginnt. Nach ein paar Songs ruft er seine
Mitstreiter auf die Bühne. Die werden frenetisch begrüßt, besonders natürlich „das
Zugpferd“ Charlie Watts. Dass er nicht scharf drauf ist im Mittelpunkt zu
stehen, ist wahrlich keine neue Erkenntnis und er tritt auch in Dessau
bescheiden auf. Im März habe ich die Vier schon in Hannover erlebt.
(Tipp: Bei Youtube den NDR – Beitrag ansehen. Köstlich wie trocken Charlie den Interviewer
auf den Arm nimmt: „Hannover? War ich schon mal in Hannover …?)
Mir fiel damals schon auf, dass sich niemand und CW am allerwenigsten in den Vordergrund
spielt. Jeder der vier hervorragenden Musiker hat Gelegenheit sein Können zu
zeigen, zu jammen und zu improvisieren. Dieses Miteinander, bei dem ein Blick,
ein Lächeln oder eine Geste für Verständigung sorgt, ist einfach sehenswert.
Herrlich wenn Charlie mit seinem Kumpel Dave Green Blicke austauschen a la „den
Pianisten zeigen wir es jetzt einmal“ oder sich Ben und Axel „die Bälle
zuwerfen“. In der ersten Reihe kann man solche Feinheiten erleben, die einem
sonst verborgen bleiben.
Der Veranstalter legte großen Wert auf das Fotoverbot. Bilder machen war ziemlich
kompliziert. Das war der Nachteil der „ARD
& ZDF-Position“. Man steht wie auf dem Präsentierteller. Bei langen Belichtungszeiten
und ohne Blitz ist fast jedes Foto verschwommen.
In den Konzertberichten kann man immer wieder von Charlies Spielfreude bei der Boogie
Woogie Truppe lesen. Ich kann das nur bestätigen. Er wirkte hinter seiner „Schießbude“
rundum glücklich.
Vor kurzem las ich hier im Forum von Keef’s „Wampe“. Beim Drummer ist davon nichts zu
sehen. Der ist gertenschlank und fit wie ein Turnschuh. Wenn man Charlie sieht glaubt
man nicht einen Siebzigjährigen vor sich zu haben! Optisch wäre er
für die
nächste Stones-Tour startklar….
Mit einer Setlist kann ich nicht dienen. Zu Hören gab es Klassiker wie „Route 66“, Songs von einem Herrn Chuck Berry oder auch das berühmte „Lady Be Good“, das man
wie einige andere Titel des Abends auf der CD „The Magic Of Boogie Woogie“
wieder findet. Nachdem mir Ben Waters und Axel Zwingenberger in Hannover dieses
Album signiert hatten, habe ich in Dessau auch die Autogramme von Dave Green
und dem Stones – Drummer erhalten.
Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass die Fans hier bessere Chancen auf einen Kringel
hatten als im Hangar No.5 . Als sich die Band verabschiedete rollte ich meine
Lithographie „Charlie“ von Sebastian Krüger aus. Axel, Ben und Dave gefiel sie
offensichtlich, denn sie zeigten spontan alle darauf. Charlie zögerte erst
etwas mit Signieren, tat es aber dann doch. Was mich dann wahnsinnig glücklich
machte. Nach der Zugabe wurden nochmals Autogramme geschrieben. Wobei sich
besonders Dave viel Zeit für die Fans nahm und sich bei ihnen mit einem
freundlichen „Cheers“ bedankte!
Im Publikum in der Marienkirche, die ein tolles Ambiente für dieses Konzert bot, waren auch
Musikerkollegen aus zu machen. So waren Bandmitglieder
von „Starfucker“, die wenige Tage zuvor noch mit Blondie Chaplin das
Stones-Fan-Museum in Lüchow gerockt haben, in Dessau dabei.
Als die Akteure des Abends die Kirche verlassen wollten, geschah das nicht sonst wie
üblich, dass man von der Security abgeschirmt zum Auto hetzt. Die letzten
verbliebenen Fans hatten noch die Chance auf eine signierte Platte oder CD, auch
vom Rolling Stone.
Anschließend fuhren die Musiker nach Leipzig ins Hotel „Fürstenhof“. (Wenn wir zusammengerückt
wären, hätte ich sie ja auch mitnehmen können –
das wär’s gewesen!!!!)
Ich glaube, dass es nicht bloß um die Übernachtung nach dem Gig ging. Schließlich waren die Stones
in dem Haus schon Gast. Und wie ich hier im Forum schon einmal angesprochen
habe, deutet alles darauf hin, dass
die World-Tour 2012 in Leipzig
beginnt!!!!!
Charlie war also schon mal alsQuartiermeister in der Stadt!!!!!!!!!!!!