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Iris

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Thursday, February 7th 2008, 4:18pm

Die Presse über Shine a Light

Den ersten Bericht habe ich schon gefunden, ist für die Presseveröffentlichung noch gesperrt, aber schon im Internet:

Senioren, wie sie rocken und filmen AP
AP - Donnerstag, 7. Februar, 16:00 UhrBerlin (AP) Die 58. Berlinale ist am Donnerstag mit einem Musikfilm eröffnet worden, der wohl nicht alle Cineasten, aber gewiss Millionen Fans der Rolling Stones glücklich machen wird. Oscar-Preisträger Martin Scorsese hat mit seiner Dokumentation «Shine a Light» der legendären britischen Band ein liebevolles filmisches Denkmal gesetzt, das die Altmeister des Rock während eines Auftritts im Herbst 2006 in New York zeigt.

Nie zuvor sind Mick Jagger mitsamt seinen drei alten Haudegen besser in Szene gesetzt worden als in diesem zweistündigen Film, der außer Konkurrenz im Wettbewerb der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele präsentiert wird. Mit großem technischen Aufwand hat Scorsese für die Nachwelt in ebenso mitreißenden wie auch anrührenden Bilder festgehalten, wie vier von einem wilden, schon über vierzigjährigen Musikerleben gezeichnete Männer über sechzig das meist junge Publikum in einem alten Kinosaal der US-Metropole begeistern.

Martin Scorsese ist seit vielen Jahren ein großer Bewunderer und Fan der Stones, die er erstmals im November 1969 live im Madison Square Garden erlebte. Damals war die Band schon weltberühmt, Scorsese aber noch ein unbekannter Jungfilmer von 27 Jahren. Das Mirakel, von dem «Shine a Light» Zeugnis gibt, ist nicht die Tatsache, dass aus dem kleinen Italo-Amerikaner einer der bedeutendsten Filmemacher der Welt wurde, sondern dass es die Rolling Stones noch immer gibt. Und wie lebendig diese Rock-Senioren in dem alten Broadway-Theater vor den Augen von Bill und Hillary Clinton aufgetreten sind, wird aus den verschiedensten Kameraperspektiven dokumentiert.

Das Phänomen Mick Jagger

Wenn der Film einen Star hat, dann ist das ohne Zweifel die unumstrittene Führungsfigur der Band, der charismatische Mick Jagger. Wie er seine bekannten und weniger bekannten Nummern darbietet, wie er sich mit noch immer unglaublicher Kondition bewegt, wie er das Publikum in jeder Sekunde auf fast schon beängstigende Weise im Griff hat - all das ist sogar für Verächter der Band sehens- und bewundernswert. Scorseses zeigt Jagger als großen Künstler und Verführer, der auf der Bühne harte, ehrliche Arbeit mit souveräner Autorität vereint.

Liebevoll richtet sich der Blick des Regisseurs aber auch auf die beiden anderen Urgesteine der Band, den wortkargen, verschmitzt-stoischen Schlagzeuger Charlie Watts und auf das von Suchtfolgen zerfurchte Gesicht von Keith Richards. Etwas abseits bleibt der Gitarrist Ron Woods. Scorsese hat manchmal zwischen die Musikstücke, die jeweils in voller Länge zu hören und zu sehen sind, alte Dokumentaraufnahmen aus der langen Stones-Karriere einmontiert. Auf diese Weise erfährt das heutige Publikum erstaunt, dass sich schon der noch sehr junge Mick Jagger vorstellen konnte, auch noch mit über sechzig seine Musik darzubieten.

Nun sind der Regisseur wie die vier Musiker alle «Ü 60». Wie lebendig es da noch zugehen kann, auch davon erzählt der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale. Martin Scorsese, im Vorjahr endlich mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet, hat schon mehrmals im Kino seine Liebe zur Musik unter Beweis gestellt. Aber noch nie waren so brillante und auch intime Bilder dabei wie diejenigen, die 20 Kameraleute von den vier Rock-Legenden im Spätherbst ihrer langen Laufbahn zeigen. Die 58. Berlinale hat mit «Shine a Light» spektakulär begonnen, nun müssen allerdings noch die «richtigen» Filme kommen.


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LittleQueenie

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Lieblings Rolling Stones Album: Let It Bleed

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Thursday, February 7th 2008, 8:15pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Ah, geil, danke Iris!
Hier ist ein Video aus ZDF Heute, mit Interview;
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Thursday, February 7th 2008, 9:18pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Scorsese hat 1970 bei „Woodstock“, dem legendärsten aller Konzertfilme, den Schnitt besorgt. Und Maßstäbe gesetzt. Noch heute arbeitet seine Dauer-Cutterin Martha Schoomaker so wie er damals. Scorsese frönt seither immer wieder seiner Musikleidenschaft: 1978 mit „The Last Waltz“ über The Band. 2003 Mit der von ihm produzierten Blues-Filmreihe. 2005 mit seiner Bob-Dylan-Doku „No Direction Home“. Aber das Rad des Konzertfilms hat er nicht mehr neu erfunden. Und auch „Shine a Light“ bleibt, leider, nur ein Film für Fans von einem Fan. Die Stones werden gepriesen, gehuldigt, ein ritueller Akt, dessen Kultus er aber nicht in Frage stellt.
Dennoch sagt der Film, auf einer anderen Ebene, auch einiges über das Festival aus, das ihn zum Auftaktswerk berief. Wie Jagger wollen auch Filmemacher bloß ihren Job tun, wie Scorsese sucht aber auch Festivalchef Dieter Kosslick, mit großem Rummel ein Event daraus zu kreieren. Die ersten Filmminuten geben eine Ahnung davon, wie blank die Nerven wohl auch bei einem so komplizierten Konstrukt wie diesem Festival liegen.

Vor genau vier Jahren und zwei Tagen, am 5. Februar 2004, stand Kosslick ganz allein auf dem roten Teppich. Als Eröffnungsfilm lief „Unterwegs nach Cold Mountain“, aber keine Nicole Kidman und kein Jude Law waren gekommen, nicht mal der Regisseur Anthony Minghella. Es war der Super-GAU für den Festivalchef, und das soll ihm nie wieder passieren.

Kosslick hat sich persönlich um den Film bemüht

Deshalb setzt er auf Nummer ganz Sicher. Ein Händchen für Eröffnungsfilme hat er noch nie gehabt, nur bei zwei Musikfilmen ist ihm das bislang geglückt: bei „Chicago“ 2003 und bei „La vie en rose“ 2007. So hat er auch diesmal ganz auf Musik gesetzt, um fünf Weltstars auf den Teppich zu kriegen, einen Regie-Altmeister und vier Alt-Rocker. Eine kleine, feine Ironie immerhin, dass sie just in den Berlinale-Palast einziehen, wo sonst vier Popmusikern gehuldigt wird, im Abba-Musical „Mamma Mia“.

Zeitgleich zum Berlinale-Auftakt startete gestern in unseren Kinos „Der Krieg des Charlie Wilson“. Ein Film, der alles hat: Weltstars wie Julia Roberts und Tom Hanks. Einen Regiemeister wie Mike Nichols, der dafür auch nach Berlin kam. Und ein genuin politisches Thema, wie es die Berlinale liebt. Womöglich hat sich das Festival gar darum bemüht. Aber noch immer ist ungewiss, ob Frau Roberts für „Gardens of the Night“, der auf dem Programm steht, zur Berlinale kommen wird. Und von Anfang an hat Kosslick auf die Stones gesetzt, hat er sich neun Monate, eine Schwangerschaft lang um diesen braven Konzertmitschnitt, diese reine Nostalgienummer bemüht.

Nun würde sich jedes Festival bei einem Scorsese die Finger lecken. Aber als Auftakt? Diese Rechnung geht zumindest künstlerisch nicht auf. Scorsese, Stones, Stonesese: Ein Bigger Bang auf der Bühne, aber nur ein Small Bang auf der Leinwand. Ein Muss für Rockfans, aber no Satisfaction für den Cinephilen. Warten wir ab, was noch kommen wird.
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Thursday, February 7th 2008, 9:18pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.welt.de/kultur/article1644529…ter_Visage.html

Berlinale
No Satisfaction mit Micks zerfurchter Visage

Klar, ein Berlinale-Auftakt ist eine schwierige Sache. Aber "Shine a Light" – der Konzertfim der Stones – ist dann doch zu traditionell geraten: Mick und die Jungs rocken ihre Lieder runter, Einblicke ins Bandleben bekommt man nicht. Nur bei den Falten der Musiker geht die Kamera ganz nah ran.

Am Anfang sind sie alle sauer, liegen die Nerven blank. Was soll das ganze Zeugs auf der Bühne? mault Mick Jagger. Mick wollte das so, grantelt Martin Scorsese zurück. Warum denn die ganzen Kameras vor der Rampe? ätzt Jagger am Telefon. Wann entscheiden sie sich endlich, welche Songs sie spielen? stöhnt Scorsese. Wahrlich, es ist nicht leicht, einen Konzertfilm zu drehen. Nicht, wenn ein Perfektionist wie Scorsese ihn inszeniert und nicht mit einem Derwisch wie Mick Jagger auf der Bühne.

Die ersten fünf grobkörnigen, schwarzweißen Minuten dieses Films haben es in sich. Sie zeigen, wie schwierig das Unterfangen war, das wir gleich sehen werden. Sie zeigen auch, zu welcher Selbstironie die Regie- wie die Rocklegende fähig sind. Wir sehen noch kurz die Clintons vor dem Konzert Hallo sagen – und Keith Richards breit grinsen, er fühle sich jetzt „ausgebusht“. Aber dann geht das Licht aus. Heult die Gitarre auf. Steht man, nun in Farbe und gestochen scharfem Bild, mit auf der Bühne. Und das Konzert hebt an.

Vielmehr die beiden Konzerte, die die Rolling Stones am 29. Oktober und 1. November 2006 im New Yorker Beacon Theater gaben. Zwei von fast 150 Konzerten der „Bigger Bang World Tour“. Wer sie verpasst hat, kann sie jetzt nachholen. Wer dort war, sieht hier vielleicht mehr. Der Film kommt dichter ran an die Stones, gräbt sich förmlich in die Furchen dieser lurchig-ledrigen Rockvisagen. Er kommt näher ran – aber das ist es auch schon.

Eine dreifache Strategie konnte, durfte man sich versprechen: die Stones auf der Bühne, backstage – und die Stones von damals, aus Archivmaterial zusammengepuzzelt. Doch der Blick hinter die Bühne beschränkt sich auf wenige Minuten, die Ausschnitte von einst ergeben kein neues Bild, keine andere Sicht. Sieben Achtel des Films sind ein bloßer, reiner Konzertmitschnitt. In dem die Stones immerhin neben leidlich Bekanntem auch Titel spielen, die sie lange nicht oder noch nie live vorgetragen haben.

Sie stehen – um sich einem neuen, jüngeren Publikum zu öffnen – auch mit Jack White von den White Stripes oder mit Christina Aguilera auf der Bühne. Und einige der angesagtesten Kameramänner der Welt halten diese Momente fest. Und doch: Wer bislang kein Fan der Stones war, wird durch diesen Film keiner werden. Wer mehr über sie erfahren wollte, bleibt enttäuscht. Selbst historische Fakten, dass es da mal einen Brian Jones gegeben hat, bleibt alles ungesagt. Die Stones wollen einzig und allein ganz heutig, ganz gegenwärtig wirken.
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Thursday, February 7th 2008, 9:20pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.derwesten.de/nachrichten/kult…208/detail.html

Bären und Dinos
Film, 07.02.2008, Von Michael Vaupel

Martin Scorseses Dokumentarfilm "Shine a Light" über zwei Konzerte der Rolling Stones hat die Berlinale eröffnet. Die Jungs sind immer wieder eine Schau - auch diesmal natürlich

Berlin. Schluss mit dem Winterschlaf! Der Goldbär und seine Silberbrüder haben sich auf die Hinterbeine gestellt, um Filmgäste aus aller Welt zu begrüßen. Jetzt ist wieder Berlinale-Saison. Gestern Abend eröffnete das weltweit größte Publikumsfestival mit Martin Scorseses Film "Shine A Light". Bis zum 17. Februar wird entschieden sein, welche glücklichen Filmemacher die Trophäen mit nach Hause nehmen dürfen.

Was haben wir in den letzten Jahren nicht alles an Berlinale-Eröffnungsfilmen erlebt und erlitten: Das Spektrum reichte von Scharfschützen-Duellen in Stalingrad ("Enemy at the Gates") über Unfall-Dramen inklusive Autisten-Liebe ("Snow Cake") bis zum Pygmäen-Bestaunen in "Man to Man". Wenn man also berichtete, die aktuelle Berlinale habe mit einem Dokumentarfilm über Dinosaurier eröffnet, würde das keinen wundern.

Und es ist sogar irgendwie wahr. Denn diese Dinos, die Scorsese in seinem Dokumentarfilm begleitet, turnten schon über die Weltbühne, als viele ihrer Anhänger noch in Windeln vor sich hin strampelten.

Richtig: Die Rock-Dinos sind die älteren Herren der Rolling Stones. Zusammen stehen da satt über 200 Jahre auf den Beinen. Und viele Jahre davon auf den Bühnen dieser Welt. "Satt" meint in diesem Falle "weit mehr als . . ." Denn gesättigt an Bühnenluft und Fan-Euphorie scheinen die Stones noch lange nicht.

Das zeigt "Shine A Light" überaus eindrucksvoll. Unter den heißen, grellstrahlenden Bühnenscheinwerfern scheinen Mick Jagger und Co. richtig aufzublühen. "Wir wollen Mick ja nicht verbrennen", mahnte Scorsese, als für die Dreharbeiten die Scheinwerfer der Kameras zu nah an die Bühnenkulisse herangefahren wurden.

Im Mittelpunkt des Films steht ein Konzert, das die Band im Herbst 2006 in kleinerem Rahmen im New Yorker Beacon Theater gab, für die Stiftung des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Nett anzusehen, wenn die Stones die auch schon in die Jahre gekommene Clinton-Verwandtschaft in die Arme schließen. "Gerade meine Freunde aus den 60er Jahren haben mich angerufen und um Karten angebettelt", erzählt Bill Clinton lachend.

Aber denkste: In den ersten Reihen des aufgezeichneten Konzerts klatschen fast ausschließlich junge Frauen. Old Mick bringt sie ganz schön in Fahrt. Es ist immer wieder verblüffend, welche Power der Oberstone ausstrahlt. Er springt zwei Stunden lang über die Bühne und singt dabei auch noch. Scorsese gelingt es vorbildlich, die Atmosphäre von Power bis Flower in den Songs der Stones herauszustellen. Berührend, wie Keith Richards auf einer zwölfsaitigen Gitarre "As Tears go by" an- und Jagger behutsam einstimmt.

Mit einem Bühnengast spielen die Stones dann einen Blues-Klassiker von Muddy Waters. Mit Bottlenecks werden die Gitarren zum Jaulen gebracht, Jagger bläst die Blues-Harp. Da ist sie wieder, die wunderbare Session-Stimmung, die schon Scorseses "The Last Waltz" 1978 zu einem der besten Konzertfilme überhaupt machte.

Zu Gast in "The Last Waltz" beim Abschiedskonzert von "The Band" war damals u. a. Neil Young. Und der ist diesmal auch in Berlin, um seinen Film "CSNY Deja Vu" vorzustellen. Denn hinter Bernard Shakey, dem Regisseur, der Musik und politischen Protest miteinander verbindet, steckt eigentlich Neil Young.

Neben den Stones gehört die besondere Liebe des Berlinale-Publikums der bonbonbunten Bollywood-Welt. Die Publikums-Vorstellung des herzzerreißenden Melodrams "Om Shanti Om" am Samstag mit Indiens Superstar Shah Rukh Khan war schon nach einer Stunde ausverkauft, so dass eine zweite Vorstellung angesetzt wurde.

Überhaupt wird die Berlinale in den nächsten Tagen ihrem Titel als Film-Marathon alle Ehre machen. Fast 400 Filme sind in den verschiedenen Reihen zu besichtigen. Neben weiblichen Superstars wie Penelope Cruz, Natalie Portman, Isabella Rossellini und Scarlett Johansson haben aus der männlichen Hollywood-Elite John Malkovich, Ben Kingsley und Daniel Day-Lewis ihr Kommen angekündigt.

Und neben den Stones und Neil Young setzt das Festival auch in den kommenden Tagen mit Madonna und Patti Smith auf die scheinbar zeitlose Faszination der Pop- und Rock-Ikonen. Wie sang einst Neil Young? "Hey Hey My My . . . Rock'n'Roll will never die!"
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Thursday, February 7th 2008, 9:22pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.stern.de/unterhaltung/film/:5…10244.html?vs=1

58. Berlinale
Im Zeichen der Zunge
Von Sophie Albers

Der Berlinale-Eröffnungsfilm "Shine a Light" verspricht viel. Schließlich hat Kultregisseur Martin Scorsese die Rolling Stones inszeniert. Nach zwei Stunden weiß man: Große Namen sind nicht alles. Da hilft auch Jaggers persönliche Fürsprache nichts.

Die ersten Minuten dieses Films sind großes Kino: großartige Darsteller, grandioser Schnitt und eine Geschichte elaborierten Humors, wenn nämlich Regie-Titan Martin Scorsese und Popmonster Mick Jagger versuchen zusammen zu kommen, ohne auch nur einen Hauch ihrer Kontrollfreakigkeit preiszugeben. Das ist lustig, entspannt, und es macht großen Spaß zuzusehen. Besonders wenn Scorsese dann auch noch die wunderbaren Zeilen sagt: "Der Effekt würde Mick Jagger verbrennen? So richtig in Flammen aufgehen? Hm, wir wollen den Effekt, aber wir können doch nicht Mick Jagger verbrennen. Schade." Leider sind es aber eben nur die ersten Minuten.

Mit "Shine a Light" als Eröffnungsfilm hat Berlinale-Chef Dieter Kosslick vielleicht sich und anderen Rolling Stones-Fans einen Wunsch erfüllt, doch eigentlich sind die 122 Minuten Konzertfilm mit ein paar dokumentarischen Einsprengslern ein bisschen mau und definitiv kein "bigger bang" zur Eröffnung. Vor allem nicht im Vergleich zu einem anderen Musikfilm, mit dem im vergangenen Jahr das Festival begann: "La vie en rose" hatte in großer Erzählung das Leben der Edith Piaf nachgezeichnet. Das war Kino mit allen Gefühlen. Dagegen ist "Shine a Light" eine ziemlich groß produzierte Live-DVD. Ein Film für Fans.

Robert DeNiro's waiting

Nun waren sie also da die Stones. Alle vier Mitglieder der legendären Rockband haben sich in der Pressekonferenz aufs Podest gesetzt und Regisseur Scorsese in ihre Mitte genommen. Das Turbowrack Keith Richards hat ihm sogar noch den Stuhl gerückt. Wie zu Beginn des Films machte Jagger sofort klar, dass er keine Götter neben sich duldet und hätte sich und Scorsese wohl am liebsten auch gleich selbst die Fragen gestellt. Durfte er aber nicht, ging ja schließlich um die Promotion des Films. Also war er nach einer kurzen Dankesrede auch kurz ruhig.

Das nutzte Scorsese, um zu berichten, dass er zuletzt 1981 in Berlin gewesen sei, um sein Meisterwerk "Wie ein wilder Stier" vorzustellen. Wehmütig denkt man an die Theorie, dass Scorsese einen Robert DeNiro an seiner Seite braucht, um sein Genie scheinen zu lassen. Aber vielleicht darf man nicht zu hart urteilen über diese jüngste Koproduktion, denn der Regisseur verrät auch, dass der Sound der Rolling Stones ihn in seiner gesamten Karriere inspiriert habe. Und das schließt ja "Mean Streets" und "Taxi Driver" mit ein. "Ihre Musik ist eine Arbeitsbasis in meinen Filmen. Deren Wesen ist zeitlos. Sie hat Bilder in meinem Kopf geschaffen" Nagut.

In den 70ern habe er erstmals einen Auftritt der Band gesehen und damals beschlossen, einst einen Film daraus zu machen. "Das ist 47 Jahre her", so Scorsese. Und es war ein Haufen Arbeit, denn rund 70 Kameras hatte der Filmemacher auf und um die Bühne des Beacon Theaters in New York herum postiert, um die Show den Bildern in seinem Kopf anzupassen. Immerhin: Der dauergrinsende Richards brummelt, dass sie die Kameras gar nicht bemerkt hätten bei ihrem Auftritt. Das zu glauben, ist ein Grundproblem des Konzertfilms: Drei Tage haben die Aufnahmen gedauert, natürlich gab es ein Storyboard, und Scorsese ist nicht gerade bekannt dafür, die Dinge einfach so laufen zu lassen. "Wir haben versucht, so nah wie möglich an die Live-Show heranzukommen", sagt er. Das Konzerterlebnis mit anderen Mitteln also?

Abhaken und ins Regal stellen

"Es ging darum, diesen Moment, diese Nacht, in Bernstein zu gießen", sagt Jagger dann sehr poetisch und leckt sich über die großen Lippen. Ja. Und deshalb kann man die Stones jetzt theoretisch abhaken und ins Regal stellen. Aber natürlich nur, wenn man kein Fan ist.

Keine Frage, es hat immer wieder nicht sonderlich begeistert aufgenommene Eröffnungsfilme gegeben. Doch wird man bei "Shine a Light" einfach das Gefühl nicht los, dass es vor allem darum ging, diese alten Männer auf der Bühne sitzen zu haben. Und deshalb ist die Kritik hiermit auch zu Ende, denn zum Festivalglamour taugen die energisch-faltigen Bühnenveteranen allemal.

Artikel vom 07. Februar 2008
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Thursday, February 7th 2008, 9:24pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.derwesten.de/nachrichten/kult…375/detail.html

Die ganze Faszination der Stones
Film, 07.02.2008, Von Rolf-Rüdiger Hamacher

Berlin. Zum ersten Mal wurde eines der großen Filmfestivals mit einem Dokumentarfilm - wenn auch außer Konkurrenz - eröffnet: Martin Scorsese stellte gestern seinen Rolling-Stones-Konzertfilm "Shine a Light" im von internationaler Prominenz überlaufenden

(REUTERS)
... Festivalpalast am Marlene-Dietrich-Platz vor. Dieter Kosslick, selbst begeisterter Hobby-Gitarrist, wartet in seinem "verflixten" siebten Jahr als Festival-Direktor noch mit weiteren Pop-Ikonen auf. Auch Madonna, Neil Young und Patti Smith werden in den nächsten Tagen über den roten Teppich der 58. Berlinale schreiten.

Mit dem Auftritt der Rolling Stones, der energiegeladensten aller "Altherren"-Bands, und einem der größten Filmregisseure der Gegenwart ist Kosslick ein echter Coup gelungen. Scorsese, der seit seinem 1981 auf der Berlinale vorgestellten "Wie ein wilder Stier" nicht mehr in der Hauptstadt war, genießt sichtlich die Ehrerbietung der versammelten Filmjournalisten aus aller Welt, die schon eine Stunde vor den Sonder-Vorführungen Schlangen vor den Kinos bilden, um nach der begeistert beklatschten Vorstellung den Kampf um die viel zu wenigen Plätze bei der Pressekonferenz aufzunehmen.

Ohne sonderliche Star-Allüren stellen sich die Stones den Fragen, beantworten selbst die etwas weniger schlauen ("Habt ihr euch bei eurem Bühnen-Outfit von den Piraten der Karibik inspirieren lassen?") mit Geduld.

Auf den ersten Blick erscheint "Shine a Light" (ab 4. Februar in unseren Kinos) wie ein konventioneller Konzertmittschnitt, eingeleitet durch einige Aufnahmen von der Vorbereitung des Projekts und unterbrochen durch ein paar kurze Interview-Sequenzen aus frühen Stones-Tagen.

"Eigentlich sind wir erstaunt, dass wir nach zwei Jahren immer noch Angebote bekommen", sagte Mick Jagger 1964 - und hoffte seinerzeit auf ein drittes Jahr. Warum sie nach über vierzig Jahren immer noch im Geschäft sind, macht "Shine a Light" in jeder Einstellung deutlich.

"Eigentlich wollte Mick", erzählt Scorsese, "dass ich das Konzert in Rio vor einer Million Zuschauer filme. Aber ich wollte etwas Intimeres und entschied mich für ihren Auftritt im New Yorker Beacon-Theatre. Ich beauftragte den Kameramann Robert Richardson, seine besten Kollegen zu engagieren - und so drehten wir mit 16 bis 17 Kameras gleichzeitig. Dadurch entstand eine Poesie, die einem Live-Konzert sehr nahe kommt."

Besonders das Zusammenspiel der Rolling Stones untereinander, die Choreographie iher Bewegungen, das blinde Verständnis und ihren liebevollen Umgang mit ihren Gastmusikern (wie Christina Aguilera) fängt der Film mitreißend ein. Es ist der erste der zahlreichen Stones-Konzertfilme, in dem nicht "Gimme Shelter" vorkommt, wie Jagger amüsiert bemerkt; dafür aber viele Songs, die sie eher selten spielen.

"Was ist dein Lieblingsfilm über die Stones?", wird Mick Jagger gefragt. Der überhört höflich die Frage und diskutiert lieber mit Scorsese über Jean-Luc Godards eigenwillige Annäherung an die Stones, der 1968 in "Eins plus Eins" einen einzigen Song ("Symphaty for the Devil") zum Thema machte. "Gibt es einen Unterschied zwischen Konzert- und Filmauftritten?", will man von Mick wissen. "Alles ist Performance", antwortet er knapp - und verschwindet mit den anderen Jungs in den Kulissen.
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8

Thursday, February 7th 2008, 9:27pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.welt.de/kultur/article1644651…htig_herum.html (Oh no, not Die Welt again)

Berlinale
Die Stones blödeln in Berlin prächtig herum

Seit 40 Jahren geben sie nun Pressekonferenzen – und trotzdem sind die Stones bei der Weltpremiere ihres Musikfilms "Shine a Light" ausgesprochen gut aufgelegt. Mick Jagger macht Witze über seinen Schauspielunterricht bei Bandkollege Richards. Und Charlie Watts erklärt, warum er den Film hasst.

Die Stones sind ein Kassenschlager. Selbst für die Pressekonferenz zu ihrem Musikfim "Shine a Light" hätte man Eintritt nehmen können. Wegen Überfüllung wurde der Veranstaltungsraum geschlossen.

Natürlich Charlie Watts. Die Frage, wer von den Stones beim Besuch in Berlin der Coolste ist, bedarf doch keines langen Nachdenkens. Der Schlagzeuger! Das geht schon draußen auf der Straße los. Während die Fans auf die Limousinen warten, wird eine grässliche Soul-Version von „Ruby Tuesday“ gespielt und dann deutsche Schlagerversionen von „As tears go by“ und „Honky Tonk Woman“. Die Stones steigen dann aus, Mick Jagger und Keith Richards rufen laut „Hi“ und winken, nur Charlie Watts bleibt ruhig. Gaaaanz gelassen.

Die Rolling Stones stellen „Shine a Light“ vor, den Eröffnungsfilm der Berlinale. Regisseur Martin Scorsese hat ein Konzert in einem alten Theater in New York gefilmt, es war ein Auftritt zu Bill Clintons 60. Geburtstag. Die Band spielt glänzend, die vier Recken Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts sind gut aufgelegt. Viel Blues ist zu hören, etliche seltene Songs und selbstverständlich ein paar der Hits. Einige alte Interviewausschnitte mit der Band sieht man, putzige Selbstzitate. Aber eigentlich dient alles der Gegenwart. Die Rolling Stones inszenieren sich als absolut präsente Band. Als Geschäftsmodell, mit dem in Zukunft noch gerechnet werden kann und soll.

Der Auftrieb in Berlin ist riesig, schon eine Stunde vor der Pressekonferenz wird der Saal wegen Überfüllung geschlossen. Man hätte die Veranstaltung glatt in ein Stadion verlegen können wie die üblichen Konzerte der Stones. Mick Jagger bedankt sich brav bei Dieter Kosslick und murmelt etwas von Ehre und Glück. Keith Richards nuschelt weitgehend Unverständliches, sein zerknautscher Hut wirkt ein bisschen so, als müsse er den Kopf festhalten, nicht umgekehrt. Wenn er lacht, gluckst er lautstark nach innen, Keith Richards amüsiert sich köstlich über Keith Richards, und niemand kann ihm das verdenken. Er sieht gut dabei aus.
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Thursday, February 7th 2008, 9:29pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Die vier Rolling Stones und Martin Scorsese lachen viel. Mick Jagger ruft gerne „Ha Ha Ha“, Scorsese intoniert höher als der Sänger. Ron Wood schweigt. Und Charlie Watts sowieso. Sie flachsen: Ja, Keith Richards habe ihnen allen vorher Schauspielunterricht gegeben, sagt Jagger, wo er doch nun Erfahrung bei „Fluch der Karibik 3“ gesammelt habe. „We’re all actors“, krächzt Ron Wood. Das ist sein ganzer Redetext. Hauptsache der Film bezahlt das Mittagessen.

In „Shine a Light“ sieht man einmal, wie sich die Musiker über Interview lustig machen; sie werden seit mehr als 40 Jahren immer wieder das Gleiche gefragt, da muss man sich in Humor flüchten. Eine kolumbianische Journalistin bedankt sich bei Mick Jagger, dass er im letzten September im kolumbianischen Fernsehen angerufen hat. Mick: „Ich erinnere mich an den Anruf ganz genau.“ Sie: „Oh, wirklich?“
Der ganze Saal lacht. Und die Frage? Wie wertvoll dieser Film für die Stones sei, auch finanziell, will die Journalistin wissen. Jagger wieder: „Sie meinen, ob es unser Mittagessen bezahlt?“ Die Stimmung ist wirklich prächtig.

Mit 16 Kameras ließ Scorsese drehen, aber sie hätten ihm auf der Bühne dann doch nicht im Weg gestanden, erklärt Keith Richards. „Es ist Martys Film, wir sind bloß die Hauptdarsteller.“ Mick Jagger erklärt, ihm sei es egal, ob er auf der Bühne auftritt oder im Film, „it’s all performing“. Man habe sich eben bemüht, eine richtige Stones-Show zu liefern, das Live-Erlebnis so gut wie möglich zu konservieren.

Für Martin Scorsese, der schon mehrere Musikfilme gedreht hat und in seinen Spielfilmen geradezu besessen Musik einsetzt, gehört die Stones-Musik zum Leben. Er hatte die Gruppe erstmals Anfang der siebziger Jahre gehört. Der Sound und die Stimmen hätten ihn enorm inspiriert. „Die Stones wurden für mich eine Art Grundlage für alle meine Filme.“ Vielleicht deshalb kommt das Lied „Gimme Shelter“ in gleich drei seiner Filme vor, in „Good Fellas“, in „Casino“ und in „Departed“. Mick Jagger ruft dazwischen: „,Shine a Light’ ist der einzige Scorsese-Film, in dem ,Gimme Shelter’ nicht auftaucht.“

Und Charlie Watts? Er ist wie üblich am besten angezogen, trägt einen beigefarbenen Zweireiher. Während der Fragen stützt er die Hand ans Kinn und schweigt. Manchmal zieht er die Augenbrauen hoch. Und schweigt. Dann kommt die Frage, wie sich die Stones denn auf der großen Leinwand gefielen. „Oh, it’s cool“, sagt Charlie Watts sanft. Alle Musiker lachen. „Möchtest du es erklären?“ fragt Mick Jagger. Er grinst.
„Ich - also ich hasse es“, sagt Watts. „Ich habe es gehasst, es zu drehen.“ Dann verstummt er wieder. Mick Jagger lacht erneut. „So weit so gut, Charlie“, ruft Keith Richards. Man muss einfach immer auf den Schlagzeuger hören, der gibt schließlich den Takt an.
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10

Thursday, February 7th 2008, 9:34pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Tatsächlich sind mit den Stones und Scorsese Brüder im Geiste zusammengekommen, die sich schon seit langem einander verbunden fühlten, obwohl sie nie wirklich zusammen gearbeitet haben. Kaum ein anderer Regisseur hat die Musik der Band so oft als Spannungsverstärker eingesetzt wie der New Yorker: In seinem frühen Gangster-Epos "Mean Streets" kommt "Jumpin Jack Flash" zum Einsatz, in "Casino" dröhnt "Satisfaction", in "Goodfellas" wird Ray Liottas Drogen-Trip passenderweise mit "Monkey Man" unterlegt.

Die Stones-Hymne "Gimme Shelter" hat Scorsese sogar gleich in drei Filmen untergebracht: in "Goodfellas", "Casino" und zuletzt in der grandiosen Eingangssequenz von "The Departed - unter Feinden", wenn der bedrohliche Schatten des von Jack Nicholson gespielten Gangster-Bosses Costello zu den Akkorden Richards über die Wände schleicht.

Von den 750 000 Dollar Budget für sein Frühwerk "Mean Streets" zog Scorsese allein 30 000 Dollar ab, nur um zwei Stones-Songs - neben "Jumpin Jack Flash" noch "tell me" - verwenden zu dürfen. "Ich musste sie haben", sagte er kürzlich in einem Interview, "eigentlich wollte ich noch ,The Last Time' verwenden, aber das konnte ich mir nicht mehr leisten."

Scorsese ist ein Musik-Besessener, jemand der die unterschiedlichsten Songs zu einem organischen Soundtrack verdichten kann, zu einem Leitmotiv, das seine Filme mitträgt. Und wenn er seinen Blick einmal nicht auf Banden in New York, Mafia-Bosse, Boxer oder durchgeknallte Taxi-Fahrer richtete, suchte er immer den direkten Weg auf die Bühne. Er war Cutter beim legendären "Woodstock"-Film, später bei "Elvis on Tour". 1976 folgte dann sein Meisterwerk "The Last Waltz" - eine Dokumentation des letzten Auftritts von The Band.

Nach den Konzert-Dokumentationen begab er sich später auch immer wieder auf Spurensuche nach den Wurzeln populärer amerikanischer Musik: In "No Direction Home" zeigte er mit Archivmaterial die Verwandlung Bob Dylans vom Folk- zum Rock-Sänger, in seiner opulenten Anthologie "The Blues" spürte er gemeinsam mit Wim Wenders, Clint Eastwood den Ursprüngen des Blues nach, einer Musik, die ihn, ebenso wie die Songs der Stones, bis heute fasziniert.

Dass seine Leidenschaft für diese ur-amerikanische Musikform durch die britische Band überhaupt erst voll entfacht wurde, daraus machte Scorsese nie einen Hehl. "Die Stones haben den Blues neu durchdacht. Das fiel mir aber erst später auf. Auf gewisse Weise haben mich die Stones mit ihrer Musik für den Blues geöffnet."

Da stellt sich die Frage, warum er erst jetzt einen Stones-Film gedreht hat. "Warum nicht?", antwortete er einem englischen Journalisten. Die Stones seien schließlich der Soundtrack seines Lebens. "Ich habe ihre Musik immer und immer wieder gehört, in meinem Kopf habe ich diesen Film sowieso schon vor 40 Jahren gemacht."
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Thursday, February 7th 2008, 9:34pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/p…4&em_cnt_page=2

Stones-Film "Shine A Light"
Lichtgestalten

Regisseur Martin Scorsese hat sich einen Traum erfüllt: Einen Konzertfilm mit den Rolling Stones. Ein Blick hinter die Kulissen von "Shine A Light" - und ein Interview mit Keith Richards. Von Martin Scholz

Der Film ist eine Meisterprüfung der besonderen Art. Nichts weniger will uns schon der Werbetrailer verdeutlichen. Ein Telefon ist zu sehen, der Hörer ist bereits abgenommen, Mick Jagger, 64, ist dran - und ist gar nicht zufrieden. "Was mir bei den Kameras Sorgen macht, Marty - die sausen ja ständig herum und stören das Publikum und alle auf der Bühne", knarzt seine Stimme aus dem Lautsprecher.

Marty - das ist Star-Regisseur Martin Scorsese, 65, den sehen wir nun auch - mit tiefen Sorgenfalten im Gesicht. "Gut wäre eine Kamera, die so hineinstößt - so rein und raus", stammelt er und wirkt dabei wie ein Protokollchef, dem der König gerade verkündet hat, dass er zwar Fischen gehen möchte, aber Angeln nicht ausstehen kann. So sieht das also aus, wenn einer der großen Meister des amerikanischen Kinos mit dem größten Zampano unter den Rock-Sängern darüber diskutiert, wie man einen Film über die Rolling Stones dreht.

Schon wieder ein Stones-Film, könnte man an dieser Stelle hinzufügen. Es gibt ja schon etliche, darunter einige von namhaften Regisseuren: "Gimme Shelter" von Adam und Albert Maysles beispielsweise, "Sympathy for the devil" von Jean Luc Godard oder "Rocks off" von "Harold and Maude"-Regisseur Hal Ashby. Dann wären da noch Konzert-DVDs und Dokumentationen wie "Rock 'n' Roll Circus", "The Stones in the Park", "Just for the Record", "Live at the Max", "Bridges To Babylon", "Forty Flicks" (vier DVDs mit drei Konzerten), und gerade erst im vergangenen Jahr kam "The Biggest Bang" dazu (vier DVDs mit Konzerten aus Rio, Argentinien, China und Texas).

Die Rolling Stones haben wie keine andere Band ihre Tourneen im Film-Format kommerziell ausgeschlachtet. Und dabei wurden die Konzert-Mitschnitte oft mit dem obligatorischen Bonus-Material angereichert, für das sich die Musiker in Garderoben, Proberäumen, im Plausch mit Kollegen und sonst wo filmen ließen. Egal wo und wie: Die Kameras waren immer dabei.

Insofern ist es wohl Koketterie oder einer seiner legendären Launen zuzuschreiben, wenn sich nun ausgerechnet der Narziss Mick Jagger über zu viele Kameras beschwert. Am Ende hat er den Regisseur dann doch gewähren lassen: 17 Kameras brachte Scorsese in Position, als er im Oktober und November 2006 zwei Konzerte der dienstältesten Rockband im New Yorker Beacon Theater filmte. Das Ergebnis, der Konzertmitschnitt "Shine A Light", hat heute mit großem Tamtam als Eröffnungsfilm der Berlinale Premiere.

Wir sehen Jaggers Bizeps, wenn er sich bei einem Duett mit Christina Aguilera an deren Diven-Pop reibt, wir sehen auch die verwischten Kajalstriche und die darunter liegenden Falten im Gesicht von Keith Richards, so nah, wie man ihm sonst selten kommt. Und dann, zwischen den Konzertszenen, blicken wir auf die jungen Stones zurück, staunen wir über diesen einst babygesichtigen Mick Jagger, der auf die Frage, wie lange er das noch machen will, antwortet: "Vielleicht noch zwei Jahre."

Der Londoner Observer ist voll des Lobes für "Shine A Light": Scorsese zeige vier Großväter in erstaunlicher Verfassung. "Selbst im direkten Vergleich mit den jungen, charismatischen Gesichtern ihrer Jugend, sehen die Stones immer noch cool aus." Roh, beseelt, wütend und zeitlos sei das, also kein x-beliebiger Konzertfilm.
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Thursday, February 7th 2008, 9:37pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Glaubt man Berichten über die Dreharbeiten von "Shine A Light", kam es zwischen Mick Jagger und Martin Scorsese zu ähnlichen Reibereien wie damals zwischen Berry und Richards. "Ich glaube, ich muss mich übergeben", soll Scorsese des öfteren geflucht haben, weil sich die Stones nicht an Absprachen hielten.
Mittlerweile nehmen's die Beteiligten mit Humor - und sich selbst als zentrale Werbebotschaft. Immer wieder zeigt der Trailer Scorsese, wie er sich die Haare rauft, wie er fleht, jemand möge ihm endlich die Song-Liste für das Konzert geben, damit er die Kameras richtig positionieren könne. Mick Jagger grinst zu all dem nur teuflisch und sagt: "Wir werden Marty vielleicht eine Stunde vor der Show sagen, was los ist."

Des Widerspenstigen Zähmung. Das kennt Scorsese noch von Jack Nicholson, der ihm mehrfach das Drehbuch zu "The Departed" umschrieb. Auf die Frage, wie denn die Zusammenarbeit mit den Stones verlief, antwortete der Meister-Regisseur auf die ihm eigene Weise sehr diplomatisch: "Ob sie kooperativ waren? Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten. Es kommt halt immer darauf an, wer es ist."
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Thursday, February 7th 2008, 9:37pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Rückblende: Sommer 2007, wir sitzen in einem Fernsehstudio in Brüssel an einem Tisch mit Keith Richards, 64. Der probt mit den Rolling Stones für die anstehende Europa-Tournee - und redet auch über die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese.

Mr. Richards, es gibt zig Filme über die Stones, warum haben Sie jetzt noch einen mit Scorsese gemacht?
Weil es mir Spaß macht, deshalb. Haben Sie nicht gerne Spaß?

Schon. Aber ist über Ihre Band nicht schon alles gesagt, alles von ihr gezeigt worden?
Jedes Konzert ist anders, es ist immer wieder ein Abenteuer, da rauszugehen und zu spielen.

Es ist nicht langweilig, zum 1000. Mal "Satisfaction" zu spielen?
Nein, die Songs werden mit einem älter, man entdeckt immer wieder neue Nuancen an ihnen. Es gibt immer noch diese Momente, in denen ich überwältigt bin, Momente, in denen Charlie und ich uns auf der Bühne ansehen, auf 80 000 johlende Menschen vor uns blicken und uns fragen: "Mensch, das kann doch alles nicht wahr sein." Glauben Sie mir, diesen Adrenalinkick, davon kann man nie genug bekommen, das wird man nie Leid. Und Martin Scorsese hat ein besonderes Gespür dafür. Am Anfang wollte er auch nur zwei Konzerte in einem Theater in New York filmen. "Mich interessiert nur das Live-Erlebnis", sagte er, "diese Backstage-Eindrücke interessieren mich überhaupt nicht." Prima, dachte ich, da haben wir hinter der Bühne wenigstens unsere Ruhe.

Falsch gedacht.
Stimmt. Als er dann mit seinen Kameraleuten im Theater erschien, sagte er plötzlich: "Ich will auch hinter der Bühne drehen." Das nennt man wohl eine Kehrtwende.

Sie hätten es ihm ja verbieten können.
Hey, er ist schließlich nicht irgendein Hollywood-Fuzzi, er ist Martin Scorsese. Was sollte ich da machen? Ich habe mich vertrauensvoll in seine Hände begeben.

Die Filmbranche ist für Sie ja kein Neuland. Zuletzt sah man Sie als Piraten-Vater im dritten Teil von "Fluch der Karibik" neben Johnny Depp. Früher haben Sie mit Godard oder Taylor Hackford gearbeitet, der vor vier Jahren mit "Ray", einem Film über das Leben von Ray Charles. glänzte. Hackford hatte Sie Mitte der 80er als musikalischen Leiter für "Hail, Hail Rock 'n' Roll" verpflichtet, einen Konzertmitschnitt zum 60. Geburtstag der Blues-Legende Chuck Berry...
...erinnern Sie mich nicht daran, das war eine Tortur.

Sie mussten Eric Clapton, Robert Cray - und vor allem Berry selbst dirigieren. War das denn so schlimm?
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin wahrscheinlich der größte Chuck-Berry-Fan dieses Planeten. Aber Chuck war wirklich ein harter Brocken, man kommt schwer mit ihm klar.

In einer Szene schnauzt er Sie an, weil Sie ihm gerade zu erklären versucht haben, dass sein Verstärker nichts tauge. Warum haben Sie sich das gefallen lassen?
Weil er Chuck Berry ist. Ich wusste ja vorher, worauf ich mich da einlasse. Ich hatte mir das gründlich überlegt und dann irgendwann gesagt: "Wenn ich diesen Film nicht mache, wird ihn ein anderer machen" - und dann hätte ich mir den Rest meines Lebens in den Hintern getreten. Ich konnte mir das einfach nicht entgehen lassen.

Woher rührt Ihre Bewunderung für Chuck Berry?
Chuck war für mich ein Rieseneinfluss. Ich liebe seine Platten. Es reizte mich, seine Musik noch einmal in einem anderen Rahmen, mit Könnern wie Clapton neu zu interpretieren. Berry war ja am Ende nur noch mit billigen Miet-Musikern aufgetreten. Der Sound bei seinen Konzerten war dementsprechend miserabel. Der Film gab mir die Gelegenheit seine Lieder noch einmal so zu arrangieren, dass ihre Kraft und Größe zum Ausdruck kommt. Und ich wusste, wenn ich mit Chuck Berry klar komme, kann mir auch sonst nichts mehr passieren. Er ist die schwierigste Person, mit der ich je gearbeitet habe - von Mick Jagger einmal abgesehen.

Wie ist denn die Geschichte mit dem Verstärker ausgegangen?
Ich habe ihn ausgetrickst. Während des Konzertes habe ich einen besseren Verstärker hingestellt und seine Gitarre heimlich daran angeschlossen. Er hat es nicht bemerkt.
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Thursday, February 7th 2008, 9:40pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Berlinale-Chef Dieter Kosslick geht den Stones entgegen, lächelt, streckt die Hand aus.

Dieter Kosslick (in seltsamem Englisch): "Pleased to meet you, hope you guess my name!"

Mick Jagger (wischt seine Hand an der Hose ab, murmelt): "Sticky fingers."

Keith Richards (verwirrt): "Are you Knut?" (tätschelt Kosslick den Anzugrücken).

Im Publikum entsteht Unruhe, eine Stones-Coverband aus Ostberlin hat sich nach vorne gedrängt und beginnt, mit Gitarre und Schellenkranz eine schauderhafte Version von "Satisfaction" zu spielen. Keith Richards hopst luftgitarrespielend über den roten Teppich. Mick Jagger signiert Platten und Rolling-Stones-Zungen-Shirts mit einem Edding. Als er versucht, Scarlett Johanssons Dekolleté zu signieren, pfeffert sie ihm eine mit der Handtasche. Kosslick läuft hin und her, unschlüssig, wen er beschützen soll.

In diesem Moment fängt die Gruppe der jungen Anzugträger an, laut "Angie, Angie!" zu grölen. Als sie ein Angela-Merkel-Plakat entfalten wollen, kommt es zu einem Handgemenge mit den Altrockern und den Bush-Gegnern. Die Junge Union wird zurückgedrängt und taumelt in die Ost-Coverband. Gitarren gehen zu Bruch; die Ostband, die Altrocker, die Bush-Gegner und die Junge Union verkeilen sich ineinander. Scarlett Johansson nutzt den Tumult, um Mick Jagger noch eine Ohrfeige zu geben.

Martin Scorsese (kommt mit einer Handkamera, schreit): "Shine your light!"

Scorsese wird in die Rauferei hineingezogen. Die Absperrung bricht, die entfesselte Menge ergießt sich über den roten Teppich. Mehrere Polizeiwannen fahren vor. Die Beamten greifen 20 Herren in Lederjacke und schieben sie in die Autos. Unter ihnen Mick Jagger.

Mick Jagger (windet sich im Griff eines dicken Polizisten): "Let me go, Im Mick Jagger!"

Polizist: "Dit sagense alle. Einsteigen, Großmaul!"

Jagger ab. Keith Richards klettert in Panik auf einen Baum und droht zu fallen.

Charlie Watts (stöhnt): "Scheiße, nicht schon wieder!"

Die Menge hat sich zum Filmpalast vorgearbeitet und zerlegt unter "Rolling Bones!"-Rufen die Glasscheiben. Ein Wasserwerfer fährt vor, durchnässt den roten Teppich und Dieter Kosslick. Kosslick taumelt zum Hauptschalter und knipst das Licht aus. Der Potsdamer Platz liegt im Dunklen. Die Berlinale-Eröffnung samt Screening der Stones-Doku von Scorsese fällt aus.

DRITTE SZENE

Nachts, im Hotelzimmer. Keith Richards liegt im Schlafanzug auf dem Bett und wackelt mit den Zehen.

Mick Jagger (kommt aus dem Polizeigewahrsam zurück, knurrt): "Frag nicht!"

Keith Richards steht auf und gießt ihm einen Whiskey ein. Gemeinsam stehen sie am Fenster und betrachten das Brandenburger Tor.

Mick Jagger (murmelt): "Scheiße, Keith. Wir sind einfach zu alt für diese Stadt!"

VORAUSGESAGT VON NINA APIN UND ANTJE LANG-LENDORFF
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Thursday, February 7th 2008, 9:40pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/berl…Hash=4ed1939c8b (Vorsicht Schnelleser, das soll Comedy sein)

Die Stones bei der Berlinale-Eröffnung
Alarm auf dem roten Teppich

Früher zerlegten die Rolling Stones-Fans die Waldbühne. Und wie endet der Berlinale-Auftritt heute? Die taz hat einen Blick in das inoffizielle Drehbuch geworfen.

Die Rock-Opis sind wieder in der Stadt: Steinzeitstimmung auf der Berlinale. Foto: AP

ERSTE SZENE

Eine Suite im Hotel Adlon, abends. Keith Richards liegt auf einem King-Size-Bett, Charlie Watts und Ron Wood kleiden sich für die Berlinale-Eröffnung an. Mick Jagger, in knallengen Lederhosen und weißem Hemd, steht am Fenster.

Keith Richards (schnupft weißes Pulver aus einem Döschen und verzieht angewidert das Gesicht): "Was für ein Stoff! Der alte war besser."

Mick Jagger (blickt träumerisch aufs Brandenburger Tor): "Wir sind in Berlin, stimmts?"

Charlie Watts (geht ächzend in die Hocke, um Ron Wood die Schuhe zu binden): "Ja, Mann."

Keith Richards (setzt sich ruckartig auf, springt aufs Bett und spielt Luftgitarre): "Geil, Berlin! Haben wir da nicht mal ne ganze Bühne zerlegt?"

Mick Jagger (fixiert weiter das Brandenburger Tor): "Nein, das waren die Zuschauer. Weil wir gerade mal 25 Minuten gespielt haben. Aber das war vor über 40 Jahren. Irgendwo im Westen, auf so ner Nazi-Bühne. Furchtbare Fans. (Pause) Wo ist hier eigentlich die Grenze?"

Keith Richards (hält inne und massiert sich die Hüfte): "Wenigstens hat man uns hier nicht vergessen."

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Es klopft.

Page (respektvoll): "Meine Herren, Ihre Limousinen sind da!"

Die vier schalten ihre Hörgeräte aus und verlassen das Hotelzimmer.

ZWEITE SZENE

Am Potsdamer Platz. Am roten Teppich hat sich eine dichte Menge versammelt, die schon seit Stunden wartet. Altrocker mit grauen Haaren drängeln sich neben Mittzwanzigern, die "Fuck Bush"-Plakate in die Höhe halten. Vereinzelt sind Original-70er-Jahre Lederjacken zu sehen. Etwas abseits steht eine Gruppe ordentlich gescheitelter Anzugträger mit "Junge Union"-Ansteckern.

Die Stones schreiten langsam über den roten Teppich und werden dabei von Madonna, Scarlett Johansson und Elmar Wepper überholt. Jagger schielt auf Johanssons Brüste und rempelt dabei Keith Richards an, der Penelope Cruz aufs Kleid tritt.

Penelope Cruz (sauer): "Hey you, get off of my Kleid!
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Thursday, February 7th 2008, 9:43pm

Re: Die Presse über Shine a Light

http://www.faz.net/s/Rub8A25A66CA9514B98…n~Scontent.html

Andere große Stones-Dokumentationen
Das Rendezvous mit den Teufeln
Von Andreas Platthaus

06. Februar 2008 Martin Scorseses „Shine a Light“, der heute Abend die Berlinale eröffnet, lässt sich auf einen großen Wettstreit ein. Nicht im Festival-Wettbewerb - er läuft dort außer Konkurrenz -, aber im Vergleich mit den anderen Dokumentationen, die es sonst noch über die Rolling Stones gibt. Angesichts von 46 Jahren Band-Geschichte kann man sich deren Zahl ausmalen, aber darunter finden sich mindestens zwei Perlen: „Gimme Shelter“ von den Brüdern Maysles und Charlotte Zwerin sowie „One Plus One“ von Jean-Luc Godard.

Beide entstanden am Ende der sechziger Jahre, in der produktivsten Zeit der Stones und zugleich ihrer schwierigsten Phase. Zwischen beiden Dokumentationen liegt der Tod des Gründungsgitarristen Brian Jones, der die Band gerade verlassen hatte, als er im Juli 1969 in seinem Swimmingpool ertrank. Sein Nachfolger, Mick Taylor, war schon ausgesucht, und zwei Tage später, am 5. Juli, gaben die Stones im Londoner Hyde Park das erste der drei großen Rock-Gratiskonzerte des Jahres 1969 (das zweite sollte Woodstock werden, das dritte Altamont). Darüber haben Jo Durden-Smith und Leslie Woodhead die leider viel zu kurze Dokumentation „The Stones in the Park“ gedreht, in der man noch einmal die Unschuld jener Zeit vorgeführt bekommt, obwohl das Konzert in einer fast viertelstundenlangen Version von „Sympathy for the Devil“ gipfelte.

Nur anderthalb Meter über den Fans

Dieses Lied ist der geheime Kern aller bedeutenden Rolling-Stones-Dokumentationen. Im Hyde Park ließen drei tapsige Roadies dazu aus Pappkartons einige Tausende Schmetterlinge frei, die dann über die Bühne irrten. Das war schon der Höhepunkt der Bühnenshow. Auf dreihunderttausend Zuhörer wird das Publikum geschätzt, und die vorderen Reihen standen direkt vor der vielleicht halbmeterhohen Bühne. Was für ein Unterschied zum stockwerkhohen Bühnenrand auf der bislang letzten Tournee der Stones, die seit vergangenem Jahr auf der Vierfach-DVD „The Biggest Bang“ dokumentiert ist. Da sind die Musiker unerreichbar, und hinter ihnen türmt sich eine mietshausgroße Kulisse, die auf dem Höhepunkt der Show, natürlich zu „Sympathy for the Devil“, zu explodieren scheint. Schmetterlinge müssten hier das Ausmaß von Adlern haben, um noch gesehen zu werden. Als nach einem der Konzerte doch einmal einige Fans auf die Bühne gelangen, sieht man dem Gitarristen Ron Wood den Schreck darüber an.

Es ist, fast vierzig Jahre später, immer noch der Schreck von Altamont am 6. Dezember 1969, obwohl Wood da noch gar nicht dabei war. Die Hells Angels, die sich dort als Sicherheitsdienst gerierten, waren auch schon im Hyde Park aktiv gewesen, martialisch mit Hakenkreuzen und Nieten drapiert, aber vollkommen friedlich. In Kalifornien prügelten sie aufs Publikum ein und erstachen einen Schwarzen, der mit einer Pistole herumfuchtelte. Selbst die Bühne hatten sie erobert: Es gibt eine faszinierende Aufnahme in „Gimme Shelter“, dem Film, der die letzten zehn Tage der damaligen Amerika-Tournee dokumentiert, in der man vorne angeschnitten Mick Jagger tanzen sieht, doch die Kamera fokussiert auf einen Hells Angel, der dem Sänger dabei vollkommen unbewegt zusieht - gebündelte Gewalt.

Man wollte Woodstock übertreffen

„Gimme Shelter“ lebt vom Wissen um das, was in Altamont geschah. Die Szenen, in denen sich die Stones selbst die Aufnahmen ansehen und die eigene Hilflosigkeit kaum ertragen können, gehören zum ewigen Bilderschatz des Kinos - und zu seinen eindrucksvollsten Selbstanklagen. Denn ohne die Dokumentation hätte das berüchtigte Konzert wohl gar nicht stattgefunden. Man wollte Woodstock übertreffen, wie Woodstock Hyde Park übertroffen hatte, und dazu gehörte ein ordentlicher Konzertfilm. „Gimme Shelter“ aber wurde viel mehr: der bislang beste Film über die Rolling Stones.
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Iris

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17

Thursday, February 7th 2008, 9:44pm

Re: Die Presse über Shine a Light

und dazwischen zur Erholung mal ein IO** http://www.iorr.org/talk/read.php?1,863741,page=11 mit Unmengen Pressefotos
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©Sebastian Krüger

18

Thursday, February 7th 2008, 9:44pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Den strebte Jean-Luc Godard gar nicht an. Ihm war es ein Jahr zuvor egal gewesen, ob nun die Beatles oder die Rolling Stones zusagen würden, aber ohne eine Band dieser Kategorie hätte er sich nicht bereit erklärt, 1968 seinen ersten britischen Film zu drehen: „One Plus One“. Beide Gruppen waren damals im Studio. Die Beatles nahmen das „Weiße Album“ auf, doch das taten sie so eigenbrötlerisch und voneinander isoliert, dass sich der Toningenieur noch heute mit Grausen daran erinnert. Godard aber, dem ein Filmessay über den Gegensatz zwischen Erschaffen und Zerstören vorschwebte, zwischen der Entstehung eines Kunstwerks und dem Zusammenbruch der Gesellschaft, brauchte eine kreative Künstlertruppe. Das waren die Rolling Stones allemal. Sie waren dabei, das Album „Beggars Banquet“ aufzunehmen, und sie entwickelten ihre Ideen dazu im Studio weiter.

Godards cineastischer Molotowcocktail

Das Paradestück auf „Beggars Banquet“ ist „Sympathy for the Devil“ - nach Meinung von Eddie Vedder, dem Kopf von Pearl Jam, der beste Rocksong, der jemals geschrieben wurde. Dem trägt der instinktsichere Godard Rechnung: Der halbe Film widmet sich allein den Aufnahmesessions zu diesem Lied, und es ist faszinierend zuzuhören, wie aus einem beinahe schleppenden Blues das aufgeheizte polyrhythmische Kunstwerk wird, das heute jeder kennt. Den Bruch markiert ein Schnitt fast genau in der Mitte des Films - als Ausweis der unabbildbaren Genialität. Plötzlich ist die Orgel nicht mehr da, und stattdessen geben Congas den Ton an; selbst Mick Jagger hat jetzt eine kleine Handtrommel zwischen den Knien.

„One Plus One“ ist ein Unikum: einerseits die subtilste Dokumentation über das, was den Rang der Stones ausmacht (ihre Improvisationsfreude und unerschöpfliche Kenntnis von Rock und Blues), und zugleich ein cineastischer Molotowcocktail, denn die andere Hälfte des Films ist eine in Bilder gefasste politische Improvisation über sämtliche drängenden revolutionären Fragen. Und 1968 drängte da so einiges; Godard verlor über sein politisches Engagement für die Studenten oder die Black Panthers die Stones beinahe aus dem Auge. Schon die erste Einstellung rückt nicht die Band, sondern das kunstvoll ausgestattete Studio in den Mittelpunkt: mittels pastellen eingefärbter Trennwände ist eine Art Barackenstadt eingebaut, und immer wieder umkreist die Kamera diesen faszinierend verwinkelten Ort - in jener Bewegung, mit der am Ende auch der Kamerakran umtanzt wird, der die Leiche einer am Strand erschossenen Revolutionärin in den Himmel hebt.

Scorsese kann sich also einiges einbilden

Damit wollte Godard den Film abrupt enden lassen, doch der englische Produzent Michael Pearson fror das Bild ein, legte die endgültige Fassung von „Sympathy for the Devil“ als Tonspur darüber und strich gleich auch noch den Filmtitel „One Plus One“. Fortan hieß auch Godards Werk „Sympathy for the Devil“. Der Regisseur war empört und ohrfeigte bei der Premiere Pearson öffentlich.

Die Stones waren ihrerseits mit Godard unzufrieden, und künftig suchten sie sich ihre Dokumentaristen sorgfältig aus. Martin Scorsese kann sich also einiges darauf einbilden, die Zusage für „Shine a Light“ bekommen zu haben. Aber er hatte seine eigenen Bedingungen: Das angebotene Mammutkonzert vor anderthalb Millionen Besuchern an der Copacabana lehnte er ab (dieser Abend findet sich nun auf „The Biggest Bang“), stattdessen filmte er die Band im kleinen Konzertsaal „Beacon Theatre“ - einer Bühne, wie die Stones sie zur Einstimmung auf ihre Tourneen lieben. Der Berlinale-Palast dürfte heute Abend etlichen Zuschauern mehr Platz bieten - und der Platz davor noch vielen zusätzlich. Sie freuen sich auf die Stones und auf Scorsese und auf einen Film, der es schwer haben wird gegen seine Vorläufer. Möge der liebe Gott Scorsese erleuchtet haben.

„Sympathy for the Devil“ gibt es bei Warner auf DVD, „The Biggest Bang“ bei Universal Music und „Gimme Shelter“ in der Criterion Collection.

Text: F.A.Z., 07.02.2008, Nr. 32 / Seite B2
Bildmaterial: CINETEXT
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Thursday, February 7th 2008, 9:46pm

Re: Die Presse über Shine a Light

Sie arbeiten schon an dem nächsten Musikfilm: über George Harrison.

Auch das ist wieder etwas Neues. Mich interessiert hier ein Mensch, der mit sich selbst gekämpft hat, der seinen inneren Frieden gesucht hat. Er hat meditiert - ich habe da selbst wenig Ahnung von, aber dieses Spirituelle interessiert mich. Harrison hatte eine dunklere Seite, das merkt man, wenn man ihm zuhört. Das ist eine großartige Story - wenn ich sie finde! Wir haben ganz viel Material. Das wird einige Jahre dauern.

Auch für Ihre eigenen Filme ist Musik sehr wichtig. Können Sie etwas über Ihren Umgang mit Musik verraten?

Ich verwende die Musik, die ich fortwährend höre. Musik begleitet mich mein Leben lang. Musik schafft in mir eine Atmosphäre, eine bestimmte Stimmung, die sehr leicht in filmische Bilder übersetzbar ist. Wenn ich an einem Film arbeite, wähle ich Musik aus und höre sie immer wieder. Normalerweise ziehe ich mich zunächst für fünf, sechs Tage zurück, in ein Hotelzimmer zum Beispiel, und verbringe Zeit allein mit dem Script und mit verschiedener Musik. Ich probiere dann aus, was passiert, welche Musik welche Bilder inspiriert. Ich zeichne dann Bilder. Manchmal nehme ich dann auch Musik zum Drehort mit, damit die Kamerabewegungen mit der Musik korrespondieren.

Unterschiedliche Musik inspiriert unterschiedliche Ideen. In gewissem Sinn arbeite ich mit Schauspielern ähnlich. Ich habe keine Ahnung von Schauspielstilen und -schulen. Jeder ist aus meiner Sicht anders. Ich versuche für die Schauspieler eine Atmosphäre zu schaffen, die Freiheit schafft, einen Raum kreiert. Das bedeutet nicht, dass sie dann machen können, was sie wollen. Es ist ein evolutionärer Prozess, und da hilft mir die Musik sehr.

Vor einem Jahr haben Sie endlich einen Regie-Oscar bekommen, für „The Departed“, also ausgerechnet für das Remake eines Hongkong-Thrillers. Es war ja höchste Zeit. Was waren die Folgen? Hat der Gewinn Ihre eigene Einstellung zu Ihrer Arbeit verändert?

Der Oscar war schön. Es geht nicht darum, ob er früh oder spät kommt, wichtig ist, dass man ihn irgendwann bekommt. Ich wollte immer den Oscar, das stimmt. Als ich für „Taxi Driver“ noch nicht einmal nominiert war, war ich schwer enttäuscht. Im Rückblick aber kann ich sagen, dass es mir gutgetan hat, denn ich habe es zunehmend aufgegeben, mich auf die Preise zu konzentrieren. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Mitte der neunziger Jahre begannen andere Leute zu bemerken, dass ich noch immer keinen Oscar hatte. Sie schrieben darüber, das war schmeichelhaft. Aber dann wurde es zu viel, und alles wurde politisch.

Wie es dazu kam, dass ich den Oscar nun gerade für „The Departed“ bekam, weiß ich nicht. Ich hatte keinen Werbefeldzug geführt. Der Film forderte mich derart auf einem Gebiet, von dem ich dachte, etwas zu verstehen, ich hatte wirklich andere Dinge im Kopf. Vielleicht war es eine Frage des Timings.

Zu „The Departed“: Sie sagen, es sei ein Remake. Ich sehe es als eine andere Version. Aber vielleicht ist das eine Frage der Semantik. Die meisten amerikanischen Western sind in diesem Sinne Remakes von anderen Western.

Was ist Ihnen als Regisseur im Laufe Ihrer Karriere am schwersten gefallen?

Züge und Boote sind das Allerschwerste. Denn ein Boot bewegt sich und bewegt sich und bewegt sich. Züge sind groß, und wenn sie einmal vorbeigefahren sind und man das Ganze wiederholen möchte, muss man sie den ganzen Weg wieder zurückschaffen. Letzteres weiß ich seit meinem ersten Film „Boxcar Bertha“, eine Art Exploitation-Film, den ich für das Studio von Roger Corman gedreht habe. Grundsätzlich habe ich damals eines von Corman gelernt: Man soll immer die schwierigsten Szenen als Erstes drehen. Dann hat man es hinter sich. Richtige Exploitation-Filme macht man ja heute gar nicht mehr. Aber die Produktionstechniken des Exploitation-Films haben mir für alle meine späteren Filme sehr genutzt.
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Thursday, February 7th 2008, 9:46pm

Re: Die Presse über Shine a Light

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Martin Scorsese im Interview
Meine Nächte mit Mick

07. Februar 2008 „Warum besorgen wir uns nicht die besten Kameraleute und machen uns einen Riesenspaß“, fragte Martin Scorsese die Rolling Stones. Daraus wurde „Shine a Light“. Außerdem erzählt er, warum der diesjährige Ehrenbärträger Francesco Rosi für ihn einer der wichtigsten Filmemacher überhaupt ist.

Mr. Scorsese, Ihre Musikdokumentation „Shine a Light“ eröffnet die Berlinale. Warum wollten Sie ausgerechnet einen Film über die Rolling Stones machen?

Ich liebe Dokumentationen. Das hält mich frisch, glaube ich. Die Rolling Stones sind die meistdokumentierte Rockgruppe der Geschichte. Sie haben schon alles gemacht, wirklich alles, auch vor der Kamera. Was sie aber eigentlich tun und was sie auch tun sollten, ist aufzutreten. Darum wollte ich die beste Performance bekommen, die wir kriegen können. Ich arbeitete damals mit Mick Jagger an einem Projekt über die Geschichte der Musikbranche. Wir haben uns über verschiedene Formen von Auftritten unterhalten - und ich habe ihm gesagt: Ich muss einfach einen Performance-Film von euch machen. Mick schlug das nächste Konzert vor, das sie sowieso geplant hatten, in Rio de Janeiro. Eine Million Leute im Stadion vor der Bühne - phantastisch! Aber dann habe ich mir diese Gigantomanie durch den Kopf gehen lassen und dachte: Warum machen wir nicht etwas Intimeres? Einen kleineren Ort wie das „Beacon Theatre“ in New York, besorgen uns die besten Kameramänner der Welt, überwacht und gelenkt vom Kameramann Robert Richardson - und machen ein spezielles Konzert über zwei Nächte. Die Stones haben zugestimmt. Und so landeten wir bei einem Konzert-Film.

Es war ein großer Spaß, diesen Film zu machen. Auch einfach ihn anzugucken: es ist ein Zwei-Stunden-Film, es gibt vielleicht einen zehnminütigen Abschnitt am Beginn, das ist eine Art Dokumentation mit Zitaten hintereinander. Aber sonst ist es kein klassischer Dokumentarfilm - es ist ein Konzert.

Ähnlich wie „The Last Waltz“?

Nein, die Geschichte ist anders. Die Geschichte ist der Auftritt. Ihre Gesichter sind die Geschichte. Die Beziehungen, die sie untereinander auf der Bühne haben. Wie sie einander ansehen. Nur ein kleines bisschen Dokumentarmaterial ihrer Auftritte über die Jahrzehnte.

In „The Last Waltz“ schneiden Sie nie zum Publikum, wie man das in den meisten Musikfilmen sieht, um die Begeisterung der Zuhörer zu transportieren.

Ja, das ist die „Woodstock“-Methode. Michael Wadleighs Film über das legendäre Konzert dauert drei Stunden, davon sieht man eineinhalb Stunden das Publikum. In diesem Fall waren diese dokumentarischen Passagen sehr wichtig. Wussten Sie, dass ich damals bei „Woodstock“ mitgearbeitet habe, auch am Schnitt? Das war eine extrem außergewöhnliche Erfahrung.

In „The Last Waltz“ habe ich mich mehr an Bert Sterns „Jazz on a Summer's Day“ orientiert über das Newport Jazz Festival von 1958. Das ist für mich der beste Musikfilm, der je gemacht wurde. Was mich daran so beeindruckt hat: Die Kamera hält das Bild und bleibt drauf. So vermittelt sich eine ganz andere Spannung. Diesen Ansatz - das Gegenteil von „Woodstock“, der auch in den Konzertszenen sehr oft schneidet und verschiedene Perspektiven einnimmt - haben wir auch auf „Shine a Light“ übertragen.

Wie war die Arbeit mit den Stones?

Man muss bereit sein. Ich hatte gerade den Film „The Departed“ fertiggestellt, ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht, ob ich die allerletzte komplette Fassung überhaupt noch gesehen habe, weil ich so viel mit dem neuen Film zu tun hatte. Denn die Stones waren auf Tour und hatten nur eine begrenzte Menge Zeit. Die sind dann in bestimmten Städten nur ein paar Stunden zusammen. Meine ganze Energie ging darein, das alles fertigzubekommen.
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