Köln, Deutschland, Rhein Energie Stadion

  • Ich bräuchte mal eure Hilfe.
    Hat jemand das Konzertposter von Köln, oder zumindest ein Bild davon. Ich möchte da für jemanden eine Collage basteln und das würde noch ganz gut dazu passen.


    P.S. ich könnt' das Poster auch noch so für mich gebrauchen. Also, wer noch eins über hat...

  • Also. Ich habe das Poster. Sogar beide.


    Hängen bei mir mir im Stoneszimmer. Kann es nätürlich für Dich fotografieren wenn Du möchtest. Abgeben geht nicht.


    Ist halt einen Dauerleihgabe.

  • ROLLING STONES KÖLN LIVE
    25. Juli 2006 // 16:11 // LIVE

    Ich bin etwas mit Zweifeln zu diesem Konzert gegangen, weil die Rolling Stones zwar eine ikonische, wichtige Band sind, deren erste drei Alben in keinem Schrank fehlen dürfen und die neben den Beatles und Pink Floyd zu den wichtigsten und meistzitierten Grundsteinen der Rockgeschichte hören, ich aber mit den Stones von heute wenig am Hut habe.


    Die Show im Müngersdorfer Stadion an sich ist die pure Perfektion. Die architektonisch durchgestaltet wirkenden, gewölbten Lichtträger an den Rändern der Bühne ragen bis unter die Stadiondecke, über 100 Meter hoch, fassen auf zwei Rängen rund 200 Personen, die onstage die Show verfolgen dürfen, sind mit LED-Animationen hinterlegt, die die große zentrale LED-Bildschirm-Einheit farblich abgestimmt begleitet und fassen eine Vielzahl von Licht- und Pyrotools für die Show, darunter auch transluzente Flächen, die farbig durchleuchtet werden. Die Bühne selbst hat drei Plattformen, links rechts und eine über der eigentlichen Bühne, dazu zwei ausgreifende Arme, in denen weitere Licht/Monitoringeinheiten untergebracht zu sein scheinen. Die Lichtshow ist jeden Penny des Eintritts wert. Perfekt auf den Verlauf von Abendlicht zu Nacht abgestimmt, steigert sich die Lightstimmung mit jedem Song, verbindet Live-Video mit Einspielungen und vergreift sich eigentlich nur ein- oder zweimal im Ton, etwa bei dem Bigger-Bang-Einspieler am Start, der schon wie etwas aufgesetzt US-Bombast wirkt. Grandios aber ist vor allem die Idee, für Front-of-the-Stage-Karten über 200 Euro zu nehmen (den Innenraum also in zwei Bereiche, hinten für Normalzahler, vorn für Deluxekunden zu unterteilen) und bis zu 450 Euro für den Onstage-Bereich zu nehmen… um dann mitten im Konzert die Bühne so weit nach vorne ins Stadion zu fahren, daß eben genau diese Leute faktisch gar nichts mehr sehen und die billigsten Plätze, ganz hinten im Stadion, für drei Songs die beste Sicht haben. Nice. Was die Stones an Bühnentechnik auffahren, an Design, an sense of architecture… großartig. Da wunder es nicht, wenn man mit 123 Trucks anreist.


    Um so sympathischer, daß die Combo selbst in all diesem virtuellen Exoskelett gar nicht so perfekt wirkt wie das Drumherum. Es ist fast verblüffend, wie eine Band, die mit insgesamt 14 Leuten auf der Bühne steht (darunter vier Bläser, drei Chorsänger, davon einer noch mit Akustikgitarre zwei Keyboarder und Bassmann Darryl Jones) irgendwie immer noch so klingt, als sei sie im Proberaum oder in einem kleinen Club. Ron Wood verdudelt sich in seinen Soli eigentlich permanent, Richards hat hier und da Timingprobleme und Gentleman Charlie Watts spielt im Grunde immer die gleiche Schlagzeugfigur, no matter which song. Wohltuend, wie unperfekt die Band spielt und wieviel Spaß Richards und Wood dabei zu haben scheinen. Der Sound wirkt gemessen an der großartigen Vorband Razorlight sogar etwas dünner, vielleicht weil Watts’ altes Gretsch-Kit nicht soviel Power abgibt (wird denn da etwa nichts angetriggert?). Razorlight fand ich übrigens wirklich groß, auch wenn das Publikum etwas undankbar war. Schön zu sehen, daß die Stones sozusagen den eigenen Nachwuchs, die neuen angry young man with massive drug problems, an die Bühnenfront holen. Very trendy.


    Wie leider jede große Band sind auch die Stones zu ihrer eigenen Coverband verkümmert und spielen bangbangbang die großen Hits durch. Der Aufbau ist immer der gleiche: Du startest mit zwei Krachern, spielst dann ein paar Tracks des neuen Albums, dann kommt die VanityZone, wo eventuelle Solosongs von einzelnen wichtigen Mitgliedern Raum haben müssen, während der eigentliche Sänger sich entspannen darf, und dann Best-of. Genau so läufts hier auch. Mit Streets of Love wird die neue SIngle promoted, ich glaube es gab noch ein zwei Songs von Bigger Bang, ein wunderbares Cover von Ray Charles Night Time is the Right Time, mit einer vorhersehbaren aber trotzdem grandiosen Soloeinlage der schwarzen Backgroundsängerin, dann zwei Songs von Keith Richards (der herrlich relaxt seine Ansagen macht, die Kippe wegschnippt und anfängt zu spielen, um nach seinen Songs die Kippe wieder irgendwo vom Bühnenrand aufzuklauben, großes Kino)… und ab da HitsHitsHits. Ich selbst mag mich da als Stones-Laie gar nicht beschweren, aber irgendwie stelle ich es mir surreal vor, als Band 30 Jahre lang immer wieder Satisfaction spielen zu müssen. Stillstand olé.


    Und auch als Fan freue ich mich eigentlich immer eher, wenn die Bands nicht nur ihre Chartserfolge runterballern, sondern eher obskure und coole Nummern spielen. Ich erinnere mich da an David Bowie bei der 1st Outside-Tour, wo er nur ganz alte Sachen und ganz neues Material spielte (mit Ausnahme des unsagbar schlechten Under Pressure)… und GOTT, war das ein ein brilliantes Konzert, bei dem der Mann ganz offensichtlich richtig Spaß hatte, weil er sich nicht als lebende Musikbox mißbauchen lassen mußte. Bei Sting nervt mich endlos, daß er nur noch gnadenlos die Massenfans bedient. Und so würde es mich vielleicht auch als Stones-Fan eher freuen, wenn da nicht bei jeder Tour gnadenlos die immergleichen berechenbaren sicheren Tracks abgeliefert würden. Als Nicht-Fan fand ich es aber natürlich schon lustig, mich mal so durch die Highlights der Bandgeschichte zu hören. Zumal gerade Sympathy for the Devil, eins meiner Stones-Lieblingslieder, großartig gegeben wurde. Wo Mick Jagger die Energie hernimmt, wie ein Tiger über die Bühne zu prowlen, zu posen, zu gurren, zu rennen und sich über 90 Minuten lang so hypersexy zu verausgaben… keine Ahnung. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn bei dem alten Herren nach einem Konzert immer noch die 18jährigen Groupies wie hypnotisiert an die Tür klopfen. Als Gott den Sexappeal verteilte, stand Jagger dreizehnmal in der Schlange, denke ich.


    Das lustige an den Stones ist ja, daß die Zeit sie wieder eingeholt hat. Während die Band in den 80ern fast weg war, ist sie jetzt wieder sehr in tune mit den neuen britischen Bands und dem Drug-Chic-Look der New New Wave. Gerade Jaggers Look ist so up to date, da es fast erschreckend ist, weil er sich ja eigentlich nicht verändert hat, sondern die Mode nur Full Circle gegangen ist und dünne Männer in schwarzen T-Shirts und engen Jeans wieder angesagt sind. Entsprechend modern klingen die Stones eigentlich auch, und entsprechend durchwachsen ist auch das Publikum, von 20jährigen Hipstern, die mal hören wollen, was die Dandy Warhols oder Infadels denn nun eigentlich so inspiriert, bis hin zu den 50 bis 70jährigen, die – zum Teil mit mitgebrachtem O-Saft im Tetrapack und kleinen Frikadellenbällchen – in einer Art munterem Picknick ihre Jugend nachleben und etwas Rentnerschwof haben.


    Denn das ist natürlich der eigentliche Verdienst der Stones: Sie zeigen ihren Fans, daß man in Unehren alt werden kann. Das man es finanziell schaffen darf und sich auch anpassen muß, sich aber innerlich treu bleiben kann, Rock’n'roller bleibt. Die doch recht bürgerlichen Besucher des Publikums ebenso wie die altgewordenen Rockertypen brauchen diese Botschaft beide gleichermaßen, um sich in ihrem jeweils ja ganz unterschiedlichem Dasein (Anpassung vs. Verweigerung) bestätigt zu fühlen. Die Stones, genau an der Schnittkante dieser beiden Lebensentscheidungen balancierend, sind so ein Bindeglied, daß beiden Gruppen erlaubt, sich in ihren Lebensentscheidungen bestätigt zu fühlen und sich mit den Stones zugleich selbst zu feiern – nicht zuletzt auch, weil man überlebt hat. Die Stones sind noch da, anders als Jimi und Janis und John, und aus dem Publikum hörte ich immer wieder, das sie fast jede Tour besuchen, weil man ja nie weiß, wie lange es die noch geben wird, man wird ja schließlich nicht jünger. Und so feiern an diesem Abend die Stones ihr Überleben gemeinsam mit anderen Überlebenden und mit uns Youngstern, die wir hoffen, auch im Alter noch so cool zu ein wie Mick & Keith. Vom ersten bis zum letzten Moment ist ein Stoneskonzert insofern ein Monument wider das Alter, der Sieg des Willen über das Fleisch.
    Es gibt schlimmeres.


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    MICK69.JPGmetallica.ico

    Sweet Cousin Cocaine, lay your cool cool hand on my head...