Posts by child-of-the-moon

    Dein Bild zeigt das "boxed" DECCA Logo (DECCA Logo eingerahmt), was in der Regel ein Hinweis auf die zweite Pressung der Platte ist. Je nach Zustand kosten solche Platten zwischen 40 und 60 Pfund. Die Erstausgabe hat das "unboxed" DECCA Logo (freistehende Buchstaben ohne Rahmen). Ob die Tatsache, dass (versehentlich) 2x das Label der 2. Seite verwendet wurde, zu einer Wertsteigerung führt, bleibt Verhandlungssache mit dem potentiellen Interessenten.

    How Can It Be? Der Genesis Verlang, bekannt für erlesene Erzeugnisse der Gutenbergschen Kunst, veröffentlicht dieser Tage Ronnie Wood’s Rock’n’Roll Tagebuch aus dem Jahr 1965. Als PR-Veranstaltung organisierte Genesis ein Podiumsgespräch mit Ronnie im Londoner Ambassador Theatre am 29. April 2015. Interviewt wurde der Stone von der Journalisten-Legende Bob Harris, der u.a. vor ca. 40 Jahren die Sendung The Old Grey Whistle Test auf BBC 2 moderierte.


    Wir kamen 30 Minuten vor Türöffnung am Ambassador an und hatten noch Zeit mit Susanne aus Wien einen Gin-Tonic an der Theater-Bar zu schlürfen. Es ist immer schön, außergewöhnliche Veranstaltungen mit lieben Freunden zu teilen.
    Die erste Überraschung für uns gab es am Einlass: wir wurden in der Mitte der ersten Reihe platziert. Wir hatten Row B auf unseren Tickets zu stehen, also eigentlich 2. Reihe. Die Sitze der Row A waren aber abmontiert, insoweit saßen wir ganz vorn im Zentrum des Geschehens.


    Jeder Besucher erhielt einen extra für die Buchveröffentlichung angefertigten Stoffbeutel. Darin befinden sich ein Ronnie Wood Plektrum, ein Ronnie Wood Bleistift, das Veranstaltungsposter, zwei kunstvoll gestaltete und edel gedruckte DIN-A4-Werbeprospekte.


    Die Veranstaltung begann mit einem Video, welches hauptsächlich in Ronnies Wohnung gefilmt wurde. Man sieht Ronnie beim Anfertigen von Skizzen für das neue Buch, Musik im Hintergrund, Ronnie spricht.
    Danach wurde ein Foto eingespielt, das Mick Jagger beim Tanzen mit einem Mädchen während einer TV-Aufzeichnung im Jahre 1965 zeigt. Überhaupt ist der Abend auf 1965 zugeschnitten - ein edler Jahrgang; mindestens zwei Treffler wurden heuer 50 Jahre alt oder werden es noch. Just in diesem Moment erscheint eine ältere Dame auf der Bühne - sie ist das Girl auf dem Foto neben Mick. Sie hält die Eröffnungsansprache. In Anlehnung an das Thema des Abends, das Tagebuch eines Teens mit Rock’n’Roll-Musik-Träumen, erzählte sie davon, dass ihre Mutter damals ihr eigenes Tagebuch fand - danach war die Hölle bei ihr zu Hause los! Fortan führte sie kein Tagebuch mehr - schallendes Gelächter im Publikum.


    Nach 10 Minuten kam Bob Harris auf die Bühne und sagte Ronnie Wood an. Sogleich bekann das Interview über Ronnies Erlebnisse in den Mid-Sixties und deren Niederschlag im neuen Buch. Das Buch ist freilich kein Nachdruck von Ronnies echtem Tagebuch, sondern ein neugestaltetes Werk, welches auf Ronnies Notizen von damals und seinen Erinnerungen fußt.
    Die Geschichten, die Ronnie zu erzählen hatte, handelten hauptsächlich von seiner ersten Band, The Birds. Freilich, wir sind ja im Jahre 1965. Im Publikum saß auch der Sänger der Birds, Ali McKenzie, mit dem Ronnie oft zu einzelnen Aspekten der Bandgeschichte kommunizierte. Ronnie stellte auch heraus, dass die Konzertposter und Eintrittskarten, die im Buch abgebildet sind, von Ali gesammelt und zur Verfügung gestellt wurden.


    Es war ein unterhaltsamer Abend, an dem Ronnie oft die große Kameradschaft unter den Musikern wie den Birds, Yardbirds, Jeff Beck Group, etc. herausstellte. Eine seiner Geschichten handelte vom Namenrechtsstreit mit Roger McGuinn. Die Gruppennamen The Birds und The Byrds waren sich nach Ansicht der Protagonisten zu ähnlich. Mit der Auflösung der Birds hatte sich das Problem von allein erledigt. Damals, 1965, sind sich die Musiker auch außerhalb der Auftrittsorte oft über den Weg gelaufen. Eine nette Geschichte erzählte Ronnie über Keith Moon. Ronnie saß in einem Vorortzug, der in Höhe von Keiths Haus stoppte. Keith Moon spielte gerade vor seinem Haus Fußball, sah Ronnie im Zug sitzen und beide winkten sich zu.


    Neben den Birds waren auch die The Creation Thema von Ronnies Ausführungen. Ronnie stellte zweimal heraus, dass The Creation Nr. 1 Hits in Deutschland hatten, was ihn sichtlich stolz machte.


    Nach ca. einer Stunde wurde die Veranstaltung unplanmäßig unterbrochen. Lautes Gebell zog die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, welches von den hinteren Theaterreihen kam. Ronnies Beagle machte sich Sorgen um sein Herrchen. Die lustige Einlage wurde durch das Erscheinen des Hundes auf der Bühne gekrönt. Das Tier baute sich am Bühnenrand auf, schaute streng ins Publikum, so als wolle es herausfinden, was für Herrchen wichtiger war als sie selbst (der Hund ist eine „sie“). Sekunden später gab es Streicheleinheiten von Ronnie und das liebe Tier begab sich freiwillig wieder in die Obhut von Frauchen Sally.


    Am Ende der Veranstaltung hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen an Ronnie zu stellen. Naturgemäß wurde nach der aktuellen US-Tour gefragt. Ronnie sagte, dass er morgen (30. April) nach Los Angeles fliegt und dass dort am Dienstag, 05. Mai, die Proben beginnen.


    Zum Schluss wurde das neue Musik-Video von Ronnie zum Titel „How Can It Be?“ eingespielt. Anlässlich der Buchveröffentlichung hat Ronnie die B-Seite der vorletzten Single der Birds 2015 neu eingespielt. Diese CD gibt es als Zugabe zur Deluxe Edition (350 Stück, 495 Pfund) und zur Collectors Edition (1.615 Stück, 295 Pfund). Wem beide Ausgaben zu teuer sind, der möge bis September warten. Dann gibt es das Buch als normale Ausgabe überall im Buchhandel, freilich ohne Extras.


    Nach 1,5 Stunden war das Podiumsgespräch zu Ende. Für uns war der Theaterbesuch an diesem Abend eine völlig neue, positive Erfahrung. Einen Rolling Stone in 4 Meter Entfernung zu sehen und erzählen zu hören hat uns richtig gut gefallen.


    Tags darauf erlebten wir die Status Quo in der Royal Albert Hall, am Sonntag zuvor Uriah Heep in Royal Leamington Spa - erste Reihe, sehr kleiner Club. Zudem schliefen wir im gleichen Hotel wie Uriah Heep in Warwick, hatten das Frühstück zusammen und ein nettes Gespräch mit dem Sänger Bernie Shaw; aber das ist eine andere Geschichte.